Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1913)
- Article
- Vortrag des Herrn Geh. Justizrat Dr. Eugen Fuchs, Berlin
- Date
- 1913-05-01
- Page
- 224 (sequence 11)
- Language
- German
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224 Im deutschen Reich. nicht bloß der Ort, wo wir unsere Pflicht als Staatsbürger erfüllen, sondern Deutschland, nicht Zion ist uns Vaterland und Heimat; wir sind Deutsche jüdischen Bekenntnisses. Daß wird so kommen müssen, dessen bin ich überzeugt. Ls wird so kommen, weil es der Wahrheit und dem Werdegang der Dinge entspricht. Deshalb bitte ichlassen Sie im Kleinkampf alles Verletzende beiseite, sehen Sie bloß auf das, was uns vereint. Was uns heute trennt, wird uns nicht immer trennen. Ich hoffe, daß die Uebertreibungen des nationalen Gedankens abflauen werden. Das Nationale macht nicht das Wesen des Judentums; das Judentum ist heute kein Volk, keine Nation mehr, sondern ein durch eine jahrhundertelange gemeinsame Geschichte vereinter Stamm, eine Gemeinschaft, die nicht ein Fremdkörper geblieben ist auf fremdem Boden, sondern die — das ist vielleicht die Mission des Judentums — wie ein Saatkorn, das in dem nationalen Boden aufgeht, auf deutschen Boden deutsch geworden ist, wenn es auch jüdische Eigenart bewahrt hat. (Bravo!) Die Hoffnung, daß im Werdegang der Zeiten die heutigen Uebertreibungen des jüdisch-nationalen Gedankens abklingen werden und daß Heimat und Glaube einen gerechten Ausgleich finden werden, wird mich nicht täuschen. Diesen Ausgleich dient die Resolution, die wir gefaßt haben. Ich bitte um ihre Annahme, sie hält sich von aller Schärfe fern. Ich werde sie Ihnen verlesen: „Der Eentralverein deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens bezweckt nach § 1 seiner Satzungen, die deutschen Juden ohne Unterschied der religiösen und politischen Richtung zu sammeln, um sie in der tatkräftigen Wahrung ihrer staatsbürgerlichen und gesellschaftlichen Gleichstellung sowie in der unbeirrten Pflege deutscher Gesinnung zu bestärken. Hieraus ergibt sich die Stellung des Lentralvereins zu den Zionisten. Wir verlangen! von unseren Mitgliedern nicht bloß die Erfüllung der staatsbürgerlichen Pflichten, sondern deutsche Gesinnung und die Betätigung dieser Gesinnung im bürgerlichen Leben. Wir wollen die deutsche Iudenfrage nicht international lösen. Wir wollen die deutsche Iudenfrage nicht international lösen, Auf dem Boden des deutschen Vaterlandes wollen wir als Deutsche an deutscher Kultur Mitarbeiten und dabei unserer durch unsere Religion und unsere Geschichte geheiligten Gemeinschaft treu bleiben. Soweit der deutsche Zionist danach strebt, den entrechteten Juden des Ostens eine gesicherte Heimstätte zu schaffen oder den Stolz des Juden auf seine Geschichte und seine Religion zu heben, ist er uns als Mitglied willkommen. Von dem Zionisten aber, der ein deutsches Rationalgefühl leugnet, sich als Gast im fremden Wirtsvolk und national nur als Jude fühlt, von dem müssen wir uns trennen." Wir sind Deutsche und bekennen uns als Juden! Meine Damen und Herren! Ich glaube und hoffe, daß wir uns nicht von vielen werden zu trennen brauchen, und daß wir eine lange Strecke, vielleicht den ganzen Weg mit der Mehrzahl der Zionisten zusammen gehen werden, zum Segen des Vaterlandes und des Judentums. (Stürmischer, anhaltender Beifall.) Diskussion. Vorsitzender: Ich danke beiden Herren Rednern namens der Versammlung für ihre vom Herzen kommenden und tief zu Herzen gehenden Worte. Sie haben die verlesene Resolution gehört Ich möchte dabei bemerken, daß in den Exemplaren, die verteile