Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1913)
- Article
- Zur Klarstellung
- Date
- 1913-05-01
- Page
- 199 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Klarstellung. 199 Man hat weiter gefragt: Warum haben wir uns nicht gegen den Zionismus als solchen gewandt? Warum haben wir, wie ein anderer zionistischer Redner in einer Straßburger Versammlung des Lentralvereins aussührte, ,,eine talmudisch spitzfindige, ausgeklügelte", d. h. in unserer Sprache: eine in ihrer Fassung klare Resolution gefaßt? Die Frage ist schon oben beantwortet: Weil wir vor unserm Gewissen und dem Gewissen der Öffentlichkeit die Verantwortung hatten, nur diejenigen von uns auszuschließen, welche nicht zu uns gehören können. Ein beträchtlicher Teil der deutschen Zionisten aber wird, wenn er leidenschaftslos unfern Standpunkt prüft, selbst einsehen, daß er zu uns gehört. Der Kamps gegen den Zentralverein mag ParteihLuptern zurzeit zweckmäßig erscheinen. Die besonneneren Elemente innerhalb der zionistischen Partei werden ihn sicherlich bald als Unrecht empfinden. Schließlich hat man noch geglaubt, uns den Vorwurf machen zu dürfen, wir hätten die Resolution nur aus Furcht vor den Antisemiten vorgeschlagen. Selbstverständlich kann und soll man auch vom Feinde lernen. Schlecht handelt nur, wer wider bessere Aeberzeugung seine Anschauung der des Gegners opfert. Wir sprechen aus, was wir sind und was wir fühlen, und richten uns nicht danach, ob es unseren Gegnern gefällt oder nicht. Wir handeln nach unserm Gewissen und folgen bei unserem Tun, wie alle ehrenwerten und anständigen Männer, nur unserer Aeberzeugung. Der Begriff ,,Nationalgefühl" ist vieldeutig. Das wußten wir. And um niemanden zu kränken und der Wahrheit zu dienen, sagten wir ausdrücklich: ,,Von dem Zionisten aber, der ein deutsches Nationalgefühl leugnet, sich als Gast im fremden Wirtsvolk und national nur als Jude fühlt, müssen wir uns trennen." Man beachte: Das Wort ,,nur" ist unterstrichen, die Erklärung enthalt die Worte: ,,wer sich als Gast im fremden Wirtsvolk fühlt". Damit ist eine genaue Abgrenzung geschehen und wir brauchen uns in Haarspaltereien über den Begriff des Nationalgefühls gar nicht einzulassen*). Wir sagen: Den deutschen Juden eint mit dem übrigen Teile des deutschen Volkes Kulturgemeischaft, Rechtsgemeinschaft, Sprachgemeinschaft, Staatsgemeinschaft. Wir erachten als nicht wesentlich zum Begriff des deutschen Volkes Religions- und Stammesgemeinschaft. Aebrigens sind sich auch die zionistischen Schriftsteller in dieser Frage keineswegs einig. In der ,-Jüdischen Rundschau" erklärte Dr. Wassermann - München, ein Jude könne niemals deutsches Nationalgefühl *) Auch von den Nationaljuden versteht keineswegs jeder unter dem Begriff Nationaljudentum dasselbe. Man lese den Aufsatz „Judaismus und nationales Judentum" von Nachum Goldmann in Nr. 1 der „Freistatt" vom Februar 1913.