Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1913)
- Article
- Zur Klarstellung
- Date
- 1913-05-01
- Page
- 196 (sequence 3)
- Language
- German
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19$ Im deutschen Reich. sind Gäste im W i r t s v o l F; die jüdische Religion ist uns Hekuba, sie erhält das Judentum nicht, sie ist ihm auch nicht wesensnotwendig. Auf staatsbürgerlichem Gebiete sagte man: Wir erfüllen zwar getreu unsere Pflichten als Staatsbürger und verlangen deshalb unsere verfassungsmäßigen Rechte, aber deutsch in politischer Hinsicht können wir nicht sein. Anhänger dieses Standpunktes sind sicherlich durchaus ehrenhafte, treue und innerhalb ihres Gedankenkreises auch logisch denkende Menschen. Ihnen den Makel einer unehrenhaften Gesinnung anhängen zu wollen, wäre im höchsten Maße unrecht. Aber wer so denkt, kann den Kampf um die Gleichberechtigung nicht in unserer Gemeinschaft führen. Man lese bei Gabriel Rießer nach. Letzten Endes münden seine Ausführungen in dem Satz: „Wenn wir nicht Deutsche sind, was sind wir sonst? Und weil wir Deutsche sind, haben wir Anspruch auf Gleichberechtigung. Wir sind nicht ein gewandert, wir sind e in - g e b o r e n." Weil deutsche Gesinnung im weitesten Umfange des Wortes zur Gleichberechtigung der Juden unbedingtes Erfordernis ist, haben die Gründer des Centralvereins an den Eingang der Satzungen das Erfordernis der deutschen Gesinnung gestellt. Solange diese Gesinnung in der oben erwähnten keineswegs hurrapatriotischen oder gar chauvinistischen Auffassung Gemeingut der jüdischen Gesellschaft war, war eine Erläuterung des Begriffes nicht notwendig, er verstand sich von selbst. Jetzt haben Aeußerungen, wie sie eben wiedergegeben sind, eine Erklärung notwendig gemacht. Dabei lag nicht der geringste Grund vor, sich gegen den Zionismus, wie er sich in dem Basler Programm darstellt, auszusprechen. Den oben erwähnten, mit der Gleichberechtigung der Juden unvereinbarten Standpunkt nimmt weder die zionistische Partei als solche, noch auch nur eine überwiegend große Anzahl der deutschen Zionisten ein. Es ist ein offenes Geheimnis, daß im Gegensatz zu einer sehr großen Anzahl zionistisch organisierter Persönlichkeiten die gegenwärtige Parteileitung den extremsten Nationalismus wegen seiner bei der Jugend angeblich besonders werbenden Kraft stark begünstigt. Noch vor kurzem haben führende Persönlichkeiten des Zionismus, als wir ihnen den später in unserer Resolution zum. Ausdruck gebrachten Standpunkt äußerten, erklärt, sie sahen keinen Grund ein, weshalb nicht Zionisten Mitglieder des Centralvereins werden könnten — sie sind dem Centralverein beigetreten. Ein durchaus auf streng zionistischem Boden stehender Mann, Oberlehrer Calvary-Crossen, sagt: