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Im deutschen Reich · 1913-04-01 · Heft 4 (April 1913) · p. 172

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 4 (April 1913)
Article
Berlin
Date
1913-04-01
Page
172 (sequence 4)
Language
German
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172 Im deutschen Reich. wahr sein, in Könitz wäre ja auch ähnliches vorgekommen, die Sach« sei nicht aufgeklärt. Der katholische Geistliche -hat sich bemüht, aufklärend zu wirken; der Polizei ist es zu danken, daß sie durch ihr energisches Eingreifen zur schnellen Auf. klärung der Grundlosigkeit der Beschuldigung beigetragen hat. Mancher der hiesigen Gewerbetreibenden wird trotzdem durch das Märchen zu leiden haben, am empfindlichsten Kaiser, der nicht zu den Wohlhabenden gehört. Der Bürgermeister wird sogar von einzelnen beschuldigt, von den Juden bestochen zu sein; er hätte 20000 Mark bekommen. Den Verbreitern solcher Märchen wird wohl erst Einhalt getan werden, wenn die Staatsanwaltschaft eingreifen wird, an die ein Bericht ab. gegangen ist. A Frankfurt a. M., 19. März. Mit einem großen Sieg bei den Frankfurter Kaufmannsgerichts wählen wollte der Deutsch-nationale Handlungsgehilfenverband seinen dieses Jahr hier stattfindenden „handlungsgehilsentag" einleiten. Seine Agitation, die in den Mitteln nicht wählerisch war und mit außerordentlich reichlichen Geldbeträgen betrieben wurde, hätte auch wirklich einen Erfolg bringen können, wenn nicht die rühmliche Tätigkeit unserer Ortsgruppe sich auch bei dieser Gelegenheit erfolgreich bewährt hätte. Während der D. h. V. früher in Frankfurt seine antisemitische Tendenz sorgfältig zu verhüllen bestrebt war, hatte er diesmal seine Methode geändert; er mochte wohl glauben, damit endlich wieder einen Erfolg zu erzielen, nachdem unter dem alten System, Dank auch der Wachsamkeit unserer Ortsgruppe, die Zahl seiner Beisitzer bei den Wahlen 1909 von 13 auf 10 und 1911 auf 9 reduziert wurde. Darum legte er diesmal antisemitisch los, sprach von einer Politik der Frankfurter Zeitung „im Solde des Centralvereins" und s'cheut: sich nicht, eine ganz allgemein gehaltene Beschuldigung gegen die „Herren Juden zu erheben, die die deutschen Mädchen als Freiwild betrachteten", indem er, selbstverständlich ohne Nennung eines Namens, den Lesern seiner „Sozialen Rundschau" initterlte, ein jüdischer junger Kaufmann aus der Kaiserstraße habe seiner Kontoristin „anstatt einer Gehaltserhöhung seidene Unterröcke" versprochen, wenn sie sein .... Verhältniswürde. DieMbsicht, in der man diese Notiz brachte, erhellt am klarsten daraus, daß sie wörtlich in dem letzten Wahlfluyblatt des D. h. D. nochmals abgedruckt wurde. Heraus mit dem Flederwisch! Solange aber die „Soziale Rundschau" den Namen des angeblich jüdischen Kaufmanns nicht nennt, wird sie uns und anderen schon gestatten müssen, ihre Notiz als ein charakteristisches Wahlmanöver anzusehen. Bei der Frankfurter Gehilfenschaft hat diese Methode aber nicht verfangen. Die Zahl der für den D. tz. B. abgegebenen Stimmen

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