Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 3 (März 1913)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1913-03-01
- Page
- 130 (sequence 4)
- Language
- German
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130 Im deutschen Reich. Chefredakteur der „Deutschen Montagszeitung", Walter SteinLhal, wegen Aeußerungen erhoben hatte, die sich gegen einen, Bartels verherrlichenden antisemitischen Artikel richteten. Den Privatklager vertrat Rechtsanwalt Ulrich. Der Beklagte erklärte, sich als Jude durch Bartelssche Kritiken über das Judentum ebenfalls verletzt gefühlt zu haben. Das Gericht rechnete dem Beklagten als mildernden Umstand an, daß es sich in seinem Artikel um eine Auseinandersetzung zwischen Semitismus und Antisemitismus gehandelt habe und daß scharfe Ausdrücke von Bartels auch ihn zu entsprechenden Aeußerungen veranlaßt hatten. Das Gericht erkannte auf eine Geldstrafe von 100 Mark. — Wie der „Freien Deutschen Presse" mitgeteilt wurde, hat der Parteisekretär Hofmann in einer Vortragsversammlung des Kreisvereins der Fortschrittlichen Volkspartei für den Wahlkreis Meißen die Tatsache erwähnt, daß die sächsischen Reformer ihrem ehemaligen Landtagskandidaten und antisemitischen Agitator Kurt Fritzsche den Stuhl vor die Tür gesetzt hätten. Auch die Vorgänger Fritzsches im Meißener Wahlkreis, der Reformer Lieber, der den Kreis in den 90 er Jahren vertreten habe, sowie dessen Nachfolger, der Reformer Gäbe!, hätten der Reformpartei den Rücken gekehrt. Herr Fritzsche sei jetzt Geschäftsführer des sächsischen konservativen Landesvereins. x Stettin, 1. Februar. Die „Ostsee-Zeitung" berichtet: „Der Kriegerverein in Körlin a. Pers. bereitete kürzlich die übliche „Kaisergeburtstagsfeier" vor. Der Vergnügungsausschuß warb zum Zweck der Aufführung eines Theaterstücks junge Leute und hielt mit ihnen Proben ab. Zu einer der letzten Proben erschien der Vorsitzende, Baumeister Collatz, um sich die Sache anzusehen. Als er entdeckte, daß auch zwei jüdische junge Kaufleute als Theaterspieler herangezogen waren, vertrat er die Ansicht, daß dies in einem Kriegerverein nicht zulässig sei, und löste die Theatergesellschaft aus! — Man wird wohl erwarten dürfen, daß der Kriegerverein seinem Vorsitzenden unzweideutig klar macht, daß Kriegervereine sich nicht als Tummelplatz antisemitischen Gebarens eignen." — Die „Kolberger Zeitung für Pommern" knüpft an eine Besprechung des Vorfalls die Bemerkung: „Wäre es nicht richtiger, daß in einer Zeit, in der sich jeder freut, den Geburtstag des Kaisers mitfeiern zu dürfen, solche verhetzenden und verstimmenden Eingriffe für die Zukunft unterlassen würden?" £i Glerrvitz, 1. Februar. Unter dem Ehrenvorsitz des Herrn Rabbiner Dr. Wilhelm Münz hat sich hier ein jüdischer Gesellenverein gegründet, der dazu dienen soll, einen tüchtigen jüdischen Meisterstand heranzubilden. Der erste Vorsitzende des jetzt 24 Mitglieder zählenden Vereins ist Herr