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Im deutschen Reich · 1913-03-01 · Heft 3 (März 1913) · p. 128

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 3 (März 1913)
Article
[Ohne Titel]
Date
1913-03-01
Page
128 (sequence 2)
Language
German
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128 Im deutschen Reich. Kontrahagen gefallen, aber da auf seiten der Studenten keinerlei Aebergriff vorlag, von dem Ehrengericht rückgängig gemacht worden. Tatsächlich konnte die Sache dadurch als erledigt betrachtet werden, daß von dem Mitglied des Vereins Jüdischer Studenten, als der Kaiser nach dem Empfang der Deputation an das Fenster trat, das Kaiserhoch noch ausgebracht wurde. — In der Zeitschrift für deutsche Angelegenheiten ^Deutsches Reichs-Archiv", Heft 12, 2. Jahrgang, wird mitgeteilt: ,,Die konservative Partei wird voraussichtlich im nächsten Frühjahr einen Parteitag abhalten. Einen wesentlichen Punkt der Erörterungen wird die Abänderung des sogenannten Tivoli-Programms bilden. Es hat sich nämlich, wie die „Kreuz-Zeitung" hervorhob, in konservativen Kreisen ein Umschwung in der Beurteilung der antisemitischen Frage vollzogen; man ist der Auffassung, daß den jüdischen Staatsbürgern die Eingliederung in den Staat nicht erschwert werden solle. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die verschiedenen Spielarten des Antisemitismus sich verbraucht haben und daß den ehrenwerten jüdischen Angehörigen die volle Teilnahme an der Staatsgemeinschaft nicht versagt werden kann. Es handelt sich hier um die Nutzbarmachung produktiver Kräfte, denen der Weg, in unserem Staatswesen aufzugehen, offen stehen soll." — Wir werden abwarten, welche Strömung in der konservativen Partei stärker bleiben wird. — Die „Kreuzzeitung" hat sich ungehalten darüber geäußert, daß der armen jüdischen Gemeinde in Pinne aus dem Dispositionsfonds des Oberpräsidenten 6000 M. zum Bau einer Synagoge überwiesen wurden. Das fromme Blatt äußert sich darüber wie folgt: „Welchen Interessen damit gedient werden soll, ist um so unklarer, als Pinne im ganzen nur 197 jüdische Einwohner zählt. Wenn etwa durch solch eine Maßnahme das Judentum in den Posener Städten im ganzen bei Laune erhalten werden soll, so ist zu bedenken, daß das Judentum, das sich noch stets unzuverlässig genug gezeigt hat, von Jahr zu Jahr mehr aus den Posener Städten fortzieht. Ferner erscheint die erwähnte Regierungsmaßnahme aus dem Grunde recht bedenklich, daß noch zahllose Ansiedler und alte deutsche evangelische Bauern heutzutage stundenweite Wege bis zur nächsten evangelischen Kirche zurückzulegen haben. Ob nicht in solchen Fällen derart hohe Spenden aus dem Dispositionsfonds des Oberpräsidenten besser angebracht wären?" — Der „Kreuzzeitung" scheint es nicht bekannt zu 'sein, daß aus den allgemeinen Mitteln aller Steuerzahler von Gemeinden, Provinzial-Landtagen zahlreiche Kirchen dotiert wurden und dotiert werden. Run dies Geschrei, wenn auch einmal einer armen jüdischen Gemeinde die Möglichkeit gewährt wird, ein Gottes-

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