Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 3 (März 1913)
- Article
- Die Erwiderung auf diese Antwort
- Date
- 1913-03-01
- Page
- 112 (sequence 2)
- Language
- German
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112 Im deutschen Reich. die Zahlen zu kennen! Die von Staufs zugegebene Tatsache allein, daß er vom Hebräischen keine Ahnung hat, überhebt uns jeder Notwendigkeit, seine Anwesenheit in jüdischen Dingen auch noch aus dieser Erwiderung durch Einzelheiten zu belegen. Der zweite Vorwurf bezog sich auf die Kampfesweise! Stauff erhebt, wie ich ausführte, eine große Anzahl von Beschuldigungen schwerwiegendster Äatur, aber er formuliert sie so vorsichtig und allgemein, daß man keine Handhabe hat, ihn zu fassen. Auf die Aufforderung, Ramen und Tatsachen zu nennen, erwidert er einfach, daß das ihm Zuviel Mühe machen würde; es sei dies die Arbeit für ein ganzes Jahr, und er macht auch den beliebten Einwand, daß ich ihn mißverstanden hätte. Rur an einigen Stellen bringt er andeutungsweise bestimmtere Beispiele, auf die ich nachher zurückkomme. Die Gründe nun, die Stauff anführt, sind in einer so wichtigen Angelegenheit wirklich nicht stichhaltig. Wer so schwerwiegende Anklagen vorbringt, muß auch die Zeit haben, seine Behauptungen zu beweisen. Ich stehe sogar auf dem Standpunkte, daß man nur auf Grund bereits geleisteter Arbeit derartige Tatsachen behaupten solle. Herr Stauff hält es anders für richtig; man wird sich aber dem Eindruck kaum entziehen können, daß er die Arbeit einfach darum ablehnt, weil er sie aus Mangel an Material nicht leisten kann! Dafür füllt er seinen Aufsatz mit einer Auseinandersetzung über den „mechanistischen" Staat und den Ra s s enstandp un kL aus. Wenn er diesen letzteren als Gegensatz zum jüdischen Standpunkt des Rechts darstellt, ist ihm durchaus beizustimmen. Heinrich Gras Coudenhove, ein gewiß rassenechter Arier, der durch ernstes wissenschaftliches Studium von Antisemitismus bekehrt worden ist, nennt die Rassentheorie eine „Riesenblamage" des Rassenantisemitismus, und wir brauchen dem nichts hinzuzufügen! Die von Stauff vertretene Abart dieser Lehre geht nicht, wie sonstige Wissenschaft, von feststehenden Tatsachen aus, um zu Ergebnissen zu gelangen, sondern sie modelt, dreht und v erdreht die TaLsachen, um vorher feststehende Dogmen zu beweisen. Dieses Enddogma des Rassenantisemitismus lautet nun, auf die einfachste Formel gebracht: Arisch ist immer gut, jüdisch ist immer schlecht! And nach diesem einfachen Schema wird nun gearbeitet! Die Bedeutung des Stifters des Christentums laßt sich nicht gut bestreiten. Folglich war Jesus kein Jude, sondern ein Arier, nach vielen sogar ein Germane! And jeder Arier wiederum, der nicht in das antisemitische Geschrei einstimmt, ist verdächtig; er ist zum mindesten ein „Mischblütler", in dessen Adern semitisches Blut fließt. Der wirklich und wahrhaftig nicht semitische G o L h e i n, der für die staats erhalt enden Interessen des Rechtes auch zugunsten der Juden eintritt, kommt demgemäß — aus keinem anderen Grunde — nach Stauff „rassisch" aus dem Judentum. Es ist hier nicht der Ort, um all den Ansinn zu wiederholen, den der Rassenantisemitismus zutage gefördert hat. Rur noch eine köstliche Blüte! MaxBewer erklärt sogar, daß aus den — Makkabäern deutsches Blut spräche!! Weiter kann man es schon wirklich nicht treiben. Was aber nun ein als „rassenecht" anerkannter Germane sagt, Lut oder schreibt, ist an sich gut. Richt weil es gerecht oder sittlich ist, sondern weil eben ein Germane es tut! So werden Verbrechen und Laster vom Rassenantisemitismus verherrlicht, und vornehmlich das altgermanische Hassen wird zu einer Tugend. Herr Stauff behauptet allerdings, ohne allen Haß gegen die Juden zu sein. „V o n Haß ist hier auf unserer Seite keine Rede", erklärt er