Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 3 (März 1913)
- Article
- Professor Dr. Julius Goldsteins Kritik meines Kunstwart-Aufsatzes
- Date
- 1913-03-01
- Page
- 105 (sequence 9)
- Language
- German
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Wiederum eine Antwort. 105 privaten Nöte* *) sreundlichst mit dir persönlich ab", so wünschte ich nur, er hätte diese Selbsterkenntnis vor der Veröffentlichung seines Kunstwartaufsatzes gehabt. Aber M. G. entschuldigt sich mit der Bemerkung, „daß es für ein unheilbares Leiden noch die eine Erleichterung gibt: sich auszusprechen". Wie? Am sich von einer privaten Not vermittelst einer Aussprache Erleichterung zu verschaffen, wendet sich Herr vr. M. G. — an hm Kunstwart? Er, der Nationaljude, der nicht genug die den schaffenden Juden feindliche Kulturumwelt betonen kann, an eine Zeitschrift, die Jahrelang einen Bartels als literarischen Berater gehabt hat?! Wir gewöhnliche Sterbliche sprechen uns, wenn wir Erleichterung haben wollen, vor einem Freundeskreise aus, dort können wir auf Verständnis rechnen. Daß M. G. das nicht getan hat, daß er sich an eine von ihm selbst als judenfeindlich charakterisierte Oeffentlichkeit gewandt hat, das mache ich, was sage ich: das macht ihm die Mehrheit der deutschen Juden zum Vorwurf. Nicht, als ob wir die Oeffentlichkeit zu scheuen hätten, wir haben ihr nichts zu verbergen und zu verschleiern! Wenn wir uns aber an sie wenden, dann müssen wir uns als reife Männer der vollen Verantwortung und Tragweite unserer Worte bewußt sein. And weil wir in dem Kunstwartaufsatz dieses Verantwortlichkeitsbewußtsein bei Herrn Dr. Moritz Goldstein vermissen, deshalb machen wir ihm schließlich den schweren Vorwurf, daß er durch seine maßlosen Aebertreibungen, durch die Anabgeklärtheit seiner Anschauungen und durch die schillernde Anbestimmtheit seiner Ausdrucksweise dem auf jedes unbedachte Wort lauernden Antisemitismus Gelegenheit gegeben hat, zu einer literarischen Iudenhetze, wie sie seit Jahrzehnten nicht in Deutschland getobt hat. Julius G o l d st e in. Wiederum eine Antwort. Die Redaktion der Zeitschrift „Im deutschen Reich" hat mir gestattet) auf die Ausführungen von Dr. Goldmann-Oppeln in Nr. 12 zu antworten. Am in meiner Antwort bei der Sache bleiben zu können, bemerke ich zuvor, daß die in Goldmanns Ausführungen enthaltenen an sich beleidigenden Wendungen für mich keine Beleidigungen sind. Ich muß des ferneren eine Reihe Dinge, über die offensichtlich doch nur einseitige KlarheiLsgewinnung möglich sein würde, außer acht lassen; denn Zweck können nur Darlegungen haben, bei denen der Leser dieses Blattes ohne allzu große Selbstentäußerung mitgehen kann. r E. ~ P h. Staufs. heute allgemein europäisch. Im übrigen halte ich meinen Satz über Moses Mendelssohn vollständig aufrecht. Mendelssohn wollte unsere Vorfahren zu guten deutschen Juden erziehen und nicht zu einem schemenhaft abstrakten Europäertum. *) Sie sind in der Tat sehr privater Natur und gehen nur die allerwenigsten an. Es gibt einige tausend- Zionisten in Deutschland, von denen längst nicht alle Nationaljuden sind. Wie viele mag es denn unter den letzteren geben, die, wie M. G., sich gleichzeitig berufsmäßig mit deutscher Literatur zu beschäftigen haben? Diese kennen ja wohl das französische Sprichwort: II Wut casser les Q3ufs, pour avoir une Omelette.