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Im deutschen Reich · 1913-03-01 · Heft 3 (März 1913) · p. 101

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 3 (März 1913)
Article
Professor Dr. Julius Goldsteins Kritik meines Kunstwart-Aufsatzes
Date
1913-03-01
Page
101 (sequence 5)
Language
German
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Professor Dr. Julius Goldsterns Kritik usw. 101 Murr geht meine ganze Beweisführung im Kunstwart darauf hinaus, daß aus unser zwiespältigen Lage keine große künstlerische Leistung geboren werden könne, und hier begegnet nun meinem Kritiker ein geradezu groteskes Mißverständnis. Er versteht, daß ich unter „Resonanz der Massen" den Erfolg, den Beifall meine! And glaubt mir umständlich beweisen zu müssen, daß die Größten einsam waren und gegen ihre Zeit schufen. Aber was ich habe sagen wollen und auch gesagt habe, ist etwas Grundverschiedenes nämlich.-Doch wozu soll ich breit auseinandersetzen, was jeder aufmerksame Leser meiner Worte ohne weiteres verstehen muß. Ich gestehe, daß dieser Lapsus einem Lehrer der Weltweisheit nicht hätte zustoßen sollen. Doch sein Verhältnis zur Kunst scheint überhaupt nicht sehr lebendig zu sein. Er würde sonst nicht tadeln, daß ich „im Titel nur ein artistisches Thema anzudeuten" scheine, „tatsächlich aber in die letzten Kulturfragen des deutschen Judentums übergreife". Denn das ist ja gerade das A und O meines Aufsatzes, daß Kunst überhaupt und Literatur im besonderen bei uns Juden sowohl wie bei anderen Nationen mit der gesamten Kulturlage zusammenhängt, daß Volkstum die Wurzel der Schöpferkraft ist und daß große Leistungen ohne Gesundung unserer menschlichen Lage nicht gedacht werden können. And hier muß ich noch ein höchst unerwartetes Mißverständnis aufdecken. Das Grund gebrechen meines Gedankenganges soll sein: daß er von der Voraussetzung ausgeht) es bestehe kein prinzipieller AntersHied in der Indenfrage des Ostens und des 'Westens. Der Kritiker meint nämlich, nachdem man die Anterscheidung gemacht habe, sei mein Rezept allenfalls für den Ostjuden brauchbar. Aber im Gegenteil: ich habe von vornherein unterschieden, und"was ich sage, gilt nur für den Westjuden. Nur der Westjude nimmt an der ihn umgehenden Kultur schaffend und empfangend Anteil. Nur der Westjude findet den von mir gezeichneten geistigen Widerstand, nur für den Westjuden wird das Bekenntnis zum Nationaljudentum zu einem seelischen Konflikt. And so darf ich zum Schluß auch noch eine richtige Behauptung meines Kritikers hervorheben. Er unterscheidet Zutreffend in meinem Aufsatz ein persönliches Erlebnis und ein Gedankengefüge. Ich darf jenes noch einmal so formulieren: Wenn man Nationaljude ist und zugleich nach Beruf und Neigung der Literatur angehört, als deutscher Jude also notwendig der deutschen Literatur — was tut man dann, und wie kommt man für seine Person aus dem tödlichen Dilemma heraus, iit das man damit geraten ist? Nirgends in der Debatte ist, soviel ich sehe, auf diesen Ausgangspunkt zurückgegangen worden. And doch ist gerade dies die Stelle, wo man mich angreifen kann. Man könnte mir nämlich entgegenhalten: Was gehen deine privaten Nöte die Öffentlichkeit an? Wenn du zu dem von Heine gebührend beklagten Pech, als Jude zur Welt gekommen zu sein, und zu dem selbstgewählten Zionist zu werden, auch noch Schlemihl genug bist, dich für einen deutschen Dichter zu halten, so mache dies freundlich mit dir allein ab. — Auf eineu solchen, sehr berechtigten Einwand würde ich mich nur mit der Bemerkung zu entschuldigen suchen, daß es für ein unheilbares Leiden manchmal noch die eine Erleichterung gibt: sich auszusp rechen. Herr Professor vr. Julius Go Idstein in Darmstadt erwidert auf obige Ausführungen: Die Redaktion hat mich ersucht, ich möchte der Replik des Herrn vr. Moritz Goldstein ein kurz gehaltenes Schlußwort hinzufügcn. Nun besteht diese Replik zum allergrößten Teil in der Be-

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