Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1913)
- Article
- Der Kampf der Posener Juden um das Stadt- und Staatsbürgerrecht und seine Folgen
- Date
- 1913-02-01
- Page
- 67 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2316602-2316829-2316831-2346861--23273-2346929- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Amsckxnr. 67 öodenftändrges Element und zeigten zudem in den städtischen Verwaltungßgeschäften, die ihnen nun zugänglich waren und vielfach übertragen wurden, Geschick und Rührigkeit. Aus ihren Reihen gingen dann auch mehrere Persönlichkeiten hervor, denen später die Verwaltung der Stadt zu einem nicht geringen Teile ihren Aufschwung verdankt. * Umschau. OfY?'1* leidenschaftlichem Rachdruck wird neuerdings von der ZZl AntisemiLenpresse die Losung „Organisieren wir uns!" ausgegeben, eine Ausbreitung der langst gegen die Juden angebahnten Boykottbewegung verlangt und der Versuch gemacht, die Bevölkerung durch den Popanz einer angeblich von Juden geplanten Revolution in das Garn der antisemitischer: Demagogen zu treiben. Anders als in anderen Menschenköpsen scheint sich die Welt in der Phantasie der von Theod. Fritsch geleiteten Hammer-Gemeinde zu malen, denn außerhalb dieser durch den „Germanen-Orden" und den „Wolansdienst" der Wirklichkeit entrückten Kreise wird bisher niemand etwas von „naiven, belogener: und betrogenen Arbeitermassen" wissen, die demnächst bei einer Revolution für ihre hebräischen Einpeitscher „die Kastanien aus dem Feuer zu heben hätten", von Arbeitern, die durch eine „Heilige Feme" des Herrn Fritsch vor solchem Anheil dadurch behütet werden sollen, „daß hundert beherzte Männer die geistigen Leiter des Massen- Verbrechens" meuchlings abtun. „S iemüssen fallen, gleich im Beginn des Ä u f st a n d e s", dekretiert Herr Fritsch, dem dabei offenbar die „Schwarzen Hundert" der russischen „Hooligans" zum Vorbild dienen. Ist dies auch Wahnsinn, hat es doch Methode; aber man erschreckt damit den jedem Ilmsturz abholden jüdischen Bestandteil des deutschen Volkes ebensowenig, wie man jemals den deutschen Arbeiter, der in der Kultur hoch über dem für Pogrome geeigneten russischen Halbbarbaren steht, zu Mord und Plünderung verleiten könnte. Die antisemitische Kundgebung zeigt nur in ihrer zynischen Offenheit, daß die verkappten Anarchisten es nicht mehr als nötig erachten, sich als feste Stützen von Thron und Altar aufzuspielen und ihre letzten Ziele zu bemänteln. Daß sie eine Empörung herbeiwünschen, um dabei im Trüben zu fischen, ist sehr wahrscheinlich; ihr gefährliches anarchistisches Treiben müßte eigentlich jedem ihrer konservativen Gönner sonnenklar sein. Daß unter diesen einzelne trotzdem abgeneigt sind, den antisemitischen Demagogen den Brotkorb höher zu hängen, ist möglich; es berührt sie wenig, denn sie sind davon überzeugt, daß