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Im deutschen Reich · 1913-01-01 · Heft 1 (Januar 1913) · p. 33

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 1 (Januar 1913)
Article
Kattowitz
Date
1913-01-01
Page
33 (sequence 12)
Language
German
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IRI
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V er ei ns nach richten. 33 häufiger auf tritt als in der christlichen Bevölkerung,- man bezeichnet sie geradezu als Indenkrankheit. In Wirklichkeit liegt die Sache aber etwas anders. Naunyn schreibt in der 2. Auflage feines Buches: „Für allgemein ausgemacht gilt, daß der Diabetes bei den Juden besonders häufig sei. Auch ich habe daran nicht zu zweifeln gewagt. Und doch bleibt nichts übrig als anzuerkennen, daß das ein auf dem oft so trügerischen Augenschein beruhendes falsches Vorurteil war, dessen wir uns schämen sollten. Die größere Zahl von jüdischen Diabetikern in der Privatpraxis erklärt sich so, daß die Juden all ihren körperlichen Störungen eine viel größere Sorgfalt, Pflege und bessere Behandlung angedeihen lassen und aus diesem Grunde schon häufiger als die nichtjüdische Bevölkerung den Arzt aufsuchen. Biel wichtiger ist bei allen Statistiken die vollkommene Nichtachtung des Berufes und der sozialen Lage auf die Erkrankung an Diabetes überhaupt. Die Häufigkeit der Erkrankung der Juden an Diabetes stutzt sich vornehmlich auf die Erfahrungen der großen Städte in Westeuropa, wo die Juden in großem Prozentsatz den gebildeten Klassen angehören. Reichtum und Bildung aber erhöhen die Gelegenheit, an Diabetes zu erkranken, um das Zehnfache. Lewin sieht das häufige Vorkommen des Diabetes unter den Juden als ein nur scheinbares an, das mit dem Rassentnm der Juden gar nichts zu tun habe und sich zwanglos aus sozialen und ökonomischen Gründen erklären lasse. Besonders ausführlich behandelt er dann das große Gebiet der Nerven- und Geisteskrankheiten, und auch hier findet er, daß die stärkere Beteiligung der Juden an diesen Krankheiten nicht auf Rassenveranlagung, sondern lediglich auf äußere Momente zurückzuführen sei. Zum Schlüsse wendet sich Lewin der Möglichkeit zu, die Schädigungen, welche in Westeuropa die Kultur, in Osteuropa die Unkultur den Juden gebracht haben, zu beseitigen, und sieht sie in einer verständigen Erziehung und in der Förderung aller Bestrebungen, der verweichlichten städtischen Jugend Kraft und Stärkung zu verschaffen. Mehr Muskeljudentum und weniger Nervenjudentum ist zurzeit die Forderung des Tages. Nach dem mit großem Beifall aufgenommenen Bortrag entwarf Herr Sanitätsrat Dr. Wiesenthal ein Bild von der regen Tätigkeit des Centralvereins und hob namentlich seine Leistungen auf dem Gebiete der Bekämpfung des Antisemitismus in den Schulen hervor. Er forderte die Anwesenden zum Beitritt auf, und sein Appell sowie eine Ansprache des stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn Direktor Manes, hatten zur Folge, daß eine große Anzahl von Besuchern der Versammlung Mitglieder des Vereins wurden.

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