Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1913)
- Article
- Kattowitz
- Date
- 1913-01-01
- Page
- 32 (sequence 11)
- Language
- German
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32 Im deutschen Reich. örterung des Problems: Gibt es Krankheiten der Juden? mit der Frage nach der Existenz der jüdischen Rasse in engstem Zusammenhänge stehe, behandelte er zunächst die Rassenfrage und kam zu dem Ergebnis, daß es unmöglich sei, die Juden als eine körperlich, mit ganz bestimmten charakterisierbaren Eigenschaften versehene Menschenklasse anthropologisch abzugrenzen. Nur soviel könne man behaupten, daß ihr überall gleiches politisches und'soziales Schicksal sie zu einer, wenn auch nicht immer äußerlich erkennbaren, so doch namentlich nach Charakter und Befähigung eine gewisse Einheit repräsentierenden Menschengruppe entwickelt habe. Bei der Frage nach den Krankheiten der Juden sei die größte Vorsicht vonnöten. Diejenigen, welche in dem mehr oder minder häufigen Vorkommen gewisser Krankheiten eine Eigentümlichkeit einer jüdischen Rasse sehen, müssen erweisen, daß alle anderen Momente ausgeschaltet sind, welche für oder gegen die Empfänglichkeit von Krankheiten in Anspruch genommen werden können, wie Beruf, Klima, Wohnort, soziale Lage. Redner behandelte dann im einzelnen die Krankheiten, welche bei den Juden seltner als bei den christlichen Bewohnern der einzelnen Länder Vorkommen bzw. Vorkommen sollen. Die günstige Säuglings- und Kindersterblichkeit der Juden ist nicht auf Rasseeigenschaften zurückzuführen, vielmehr auf die durchschnittlich günstige soziale Lage, das Fehlen des Alkoholismus der Väter und Mütter und auf die natürliche Ernährung der Kinder durch die Mutter. Die geringere Sterblichkeit der Juden an Infektionskrankheiten, die manche auf eine direkte Rassenimmunität der Juden zurückführen wollen, läßt sich zwanglos im Westen aus den günstigen Lebensverhältnissen, im Osten aus der durch das Religionsgesetz gebotenen Reinhaltung, der relativen Abgeschlossenheit von den christlichen Mitbewohnern, der größeren Sorgfalt und Pflege, welche auch die ärmsten Juden ihrem Kranken angedeihen lassen, und dem Fehlen des Alkoholismus erklären. Letzterer Amstand ist auch in erster Linie der Grund für das geringere Vorkommen von Tuberkulose bei den Juden. Außerdem kommt hinzu die strenge Befolgung der Speisegesehe unter den Juden des Ostens, und, da die Infektion mit Tuberkelbazillen im frühesten Kindesalter in erheblichem Maße stattfindet, wirkt die natürliche Stillung des Kindes ebenfalls krankheitshemmend. : r~U 1 Im zweiten Teile seiner Ausführungen wendet sich der Redner den Krankheiten zu, für welche die Juden ganz besonders disponiert sein sollen. Das sind allgemein gesagt di^ Stoffwechsel-Krankbeiten, Fettsucht, Gicht, Zuckerkrankheit, bu große Menge der Nerven- und Geisteskrankheiten und endlich gewisse Augenstörungen. Ganz besonders gelte für die Zuckerkrankheit allgemein der Satz, daß sie bei den Juden ungleich