Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1913)
- Article
- Berlin
- Date
- 1913-01-01
- Page
- 19 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 19 schaft Georg von Giesches Erben repräsentiert eine der großen oberschlesischen Feudal-Montanunternehmungen, ihre Produkte — bei deren Herstellung sie keinen der modernen Fortschritte versäumt — spielen am Markt eine gewichtige Rolle. Die Frage, wie die Gewerkschaft zu ihrem sonderbaren Anti-Iuden- Standpunkt kommt, ist schwer mit Sicherheit zu beantworten. Vielleicht hangt das Kuriosum folgendermaßen zusammen: Die Gewerkschaft soll eine des alten Rechts sein, ihre gewerkschaftlichen Anteile dürften daher als „alte" Kuxe Immobiliar-Charakter haben. Derartige Gewerkschaften und Kure gibt es gerade auch in Oberschlesien und seinem Montanrevier eine ganze Menge, es sind dies meist die 1/12s — Teile, von denen ja der „Kur" auch seinen Namen haben soll. Hat nun die Gewerkensperre für Juden — an ihrer zum mindesten praktischen Durchführung scheint nicht zu zweifeln zu sein — etwa ihren theoretischen Grund darin, daß irgendwann einmal Juden vor der Emanzipation dort der Grundstückßerwerb versagt war? Und glaubte man damals, den Erwerb „alter" Kuxe mit dem verbotenen Immobiliarkauf auf eine Stufe stellen zu sollen? Vielleicht. Wie dem aber auch sei,' man kann sich kaum etwas Antiquierteres, kaum einen größeren Anachronismus verstellen, als den Versuch, heute noch eine rein geschäftliche Transaktion, wie sie ein Kuxenerwerb darstellt, an die — Konfession des Erwerbers zu binden." * — Das kurze Gedächtnis der Staatsbürger- Zeitung. Nach einem aus G ne i z der Staatsbürger-Zeitung zugegangenen Bericht sott der Kandidat der Nationalliberalen, Dr. Stresemann, dort in einem Vortrag gesagt haben: „Die Gleichheit vor dem Gesetz steht im Gesetz, aber in der Praxis mangelt sie manchmal; sonst hätten wir es in der letzten Zeit nicht erleben können, daß die Träger hoher Namen, die in Prozessen als meineidig erwiesen wurden, frei umhergehen". Dies veranlaßt das antisemitische Blatt zu der entrüsteten Aeußerung, „daß in dieser Behauptung eine schwere Beschuldigung des deutschen RichLerstandes liegt, ist klar. Bisher waren Angriffe auf die Unparteilichkeit deutscher Gerichte nur in der sozialdemokratischen Partei üblich." Die Staatsbürger-Zeitung muß ein sehr kurzes Gedächtnis haben. Wir wollen es auffrischen. Im Sternbergprozeß hat ihr der Erste Staatsanwalt Dr. Isenbiel wegen schwerer Beschuldigung des deutschen RichLerstandes folgendes ins Stammbuch geschrieben: „Auf diesen Artikel der Staatsbürger-Zeitung, der die gröbsten Verdächtigungen der höchsten Richter, Beamten der Staatsanwaltschaft und besonders meiner Person enthält und dessen Verfasser sich in der bekannten Weise, wie man sich gegen Be-