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Im deutschen Reich · 1913-01-01 · Heft 1 (Januar 1913) · p. 13

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 1 (Januar 1913)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1913-01-01
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Umschau. 13 Tivoli-Programms unter den gegenwärtigen Verhältnissen eine Aenderung nicht eintreten zu lassen". Zu welchem Zweck dieser Beschluß gefaßt und veröffentlicht wurde, ist fast unverständlich, da das antisemiti'che Gebaren der Konservativen durchaus dem antisemitischen Tivoli-Programm entspricht, seit die „Kreuz-Zeitung" gezwungen wurde, ihre am 25. September 1910 abgegebene Erklärung zu widerrufen, „daß die konservative Partei in ihrer großen Mehrheit davon überzeugt sei, daß sich der antisemitische Passus ihres Programms praktisch nicht mehr rechtfertigen lasse". Unter dem Druck, den der Bund der Landwirte auf die Konservativen beständig ausgeübt hat, war von einer solchen toleranten Ueberzeugung nichts mehr zu spüren, vielmehr verschärfte sich die Tonart der konservativen Presse und Agitationsredner in solcher Weise, daß es keines besonderen Vorstandsbeschlusses bedurfte, um zu zeigen, daß „unter den gegenwärtigen Verhältnissen keine Aenderung des antisemitischen Passus im Parteiprogramm zu« lässig sei". Die Begründung mit dem angeblichen „sich viel« fach vordrangenden und zersetzenden jüdischen Einfluß aufdas Volksleben" ist das Alpha und Omega aller konservativen .Kundgebungen und macht den Eindruck, daß man immerhin die Stellung zur Iudemrage als unhaltbar betrachtet. Die „Tägliche Rundschau" scheint dieser Ansicht zu sein; denn sie weist darauf hin, daß der Beschluß des erweiterten konservativen Vorstandes sich ausdrücklich auf die gegenwärtigen Verhältnisse beziehe; das sei also nichts Grundsätzliches und kein Niemals. Auch die „Kreuz-Zeitung" sieht Aehnlicbes voraus und appelliert an die „nationalgesinnten, aufgeklärten deutschen Juden, die sich mit Recht größter Achtung erfreuen und die auch häufig gerade für konservative Ziele und Ideen volles Verständnis haben". Der fromme „Reichsbote" geht in dieser Richtung noch weiter und meint, „wie gern sahen wir die Notwendigkeit für solche Abwehr (d. h. wohl der angeblichen Einmischung der „jüdischen Presse" in die Berliner Kirchenwahlen) schwinden; aber dazu brauchen wir eine Hilfe: das Judentum selbst. Und zu dieser Abhilfe möchten wir unsere jüdischen Mitbürger von Herzen Einladen!" Nun sind aber die jüdischen Mitbürger insofern nicht in der Lage, dieser freundlichen Einladung Folge zu leisten, als die aus dem Judentum ausgetretenen und zum Christentum übergetretenen früheren Juden nicht verhindert werden können, die ihnen durch die Taufe zustehenden Rechte auszuüben. Von glaubenstreuen Juden ist noch niemals in Wort oder Schrift irgendeine Einmischung in kirchliche Verhältnisse versucht worden. Die gewünschte Abhilfe ist also nicht

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