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Im deutschen Reich · 1913-01-01 · Heft 1 (Januar 1913) · p. 11

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 1 (Januar 1913)
Article
Der Kreisarzt und die Ostmarkenzulage
Date
1913-01-01
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Der Kreisarzt und die Ostmarkenzulage. n Tendenzen verfolgt, und daß es lediglich einen gewissen Höflichkcitsakt mir gegenüber bedeutet, wenn die katholischen und jüdischen Kollegen zusammen als national unzuverlässig hingestellt werden. Nach den dortigen Anschauungen \\:\b vermutlich „als national sicher" die Anzahl evangelischer zum Teil hochadliger Gutsbesitzer anzusprechen, die für schnödes Geld deutschen Boden den Polen überlieferten, fortwährend weiter überliefern und es noch werden. Ich kann es jedenfalls, von welcher Seite es auch geschehen mag, nur als die hahnebüchenste An verfroren heit bezeichnen, wenn von 60 Millionen Deutschen 26 Millionen Katholiken und Juden die nationale Zuverlässigkeit abgesprochen und den 3.5 Millionen Evangelischen reserviert wird, unter denen sich, nebenbei bemerkt, das Gros der Sozialdemokratie findet, da die Katholiken zum großen Teil dem Zentrum, die Juden dem Liberalismus angehören, welch letzterer das Reich gegründet hat. Sie sind sich offenbar darüber nicht klar gewesen, daß Sie in Ihrem Schreiben erstens die denkbar gröblichste Beleidigung losgelassen haben und zweitens Ihre Vorgesetzten Behörden blamiert haben, indem Sie diese, die den eventuellen Staatsznschuß vergeben, derartigen verfassungswidrigen Mißdeutungen aussehen. Ich denke gar nicht daran, über die Tatsachen selbst Diskretion zu üben, ebensowenig wie ich sieverlangt habe. Vielmehr werde ich alles zur Abstellung und Ausrottung solch wundervollen Deutschtums tun und hierbei Ort und Namen aus übertrieben kollegialen Gründen nur dann verschweigen, falls ich die Bestätigung von Ihnen erhalte, daß dir Gegend dort so einseitig antisemitisch ist, daß die Niederlassung eines jüdischen Kollegen sich nicht empfiehlt. Im übrigen ist es zum mindesten ein beklagenswerter Irrtum eines Kreisarztes, der Staatszuschuß sei nur evangelischen Kollegen reserviert. Ist er mir doch selbst in mehreren Fällen angeboren worden, in einem Falle von dem zuständigen Landrat sogar direkt gesagt worden, die Konfession sei unerheblich gegenüber der Eigenschaft des Nationaldeutschen. Ergebenst gez. Dr. Lemberg." Auf diesen Brief erfolgte — nicht etwa eine Entschuldigung, sondern nachstehendes Schreiben, über dessen Naivität man zu lächeln versucht wäre, wenn es nicht zugleich uns deutschen Juden einen Schlag ins Gesicht läedeutete. Dr. Bremer schrieb nämlich: „Sehr geehrter Herr Kollege! Daß Sie sich über meine Anfrage ärgern würden, wie aus Ihrem Briefe hervorgeht, ^abe ich nicht gewollt, auch nicht im entferntesten vermutet. (!) Segenüber zirka 20 Anfragen um Altkirchau, die ich alle beant* vorten sollte, habe ich mir die Arbeit etwas erleichtert und

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