Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1913-01-01 · Heft 1 (Januar 1913) · p. 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 1 (Januar 1913)
Article
Delegierten-Versammlung des Landesverbandes für Mittel- und Niederschlesien
Date
1913-01-01
Page
10 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2316602-2316829-2316830-2346744--23169-2346803
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

10 Im deutschen Reich. Anmeldungen von neuen Mitgliedern, mehrere Erhöhungen von Beiträgen und ein einmaliger Beitrag eines Herrn eingegangen. Um 10V- Uhr schloß Herr Iustizrat Dr. hoeniger die Versammlung, welche bei allen Beteiligten das Gefühl allgemeiner Befriedigung auslöste. * Der Kreisarzt und die Ostmarkcnzulage. Vor einiger Zeit erschien im Aerztlichen Zeutral-Anzciger eine Anzeige, in welcher für eine erledigte Arztstelle in West. Preußen ein neuer Arzt gesucht wurde mit der Aufforderung, sich wegen weiterer Auskünfte an den Kreisarzt zu wende». Auf diese Anzeige meldete sich unter anderem auch Herr Dr. Siegfried Lemberg, Stabsarzt der Neserve a. §>., praktischer Arzt in Turoscheln. Darauf erhielt er vom Apotheker Peters zu Altkirchau, Kreis Bereut, ein Antwortschreiben mit einer allgemeinen Beschreibung der Sachlage und mit dem Bemerken, daß er die Bewerbung des Herrn Dr. Lemberg dem Kreisarzt, Wedizinalrat Dr. Bremer in Bereut, übergeben habe. Auf ein Schreiben des Herrn Dr. Lemberg an Herrn Medizinalrat Dr. Bremer erwiderte dieser folgendes: Sehr geehrter Herr Kollege! Im Medizinalkalender habe ich Ihren Vornamen „Siegfried" angegeben gefunden und glaube daraus schließen zu dürfen, daß Sie Jude sind. Da der Staatszuschuß der Altkirchauer Stelle im Betrage von 1200 Dl. jährlich nur an ganz sichere Deutsche gezahlt wird, als welche hier nur evangelische Christen gelten können, und mit dem Haben und Nichthaben des Staats- Zuschusses die Aebernahme der Altkirchauer Aerztestelle steht und fällt, so werden Sie es mir nicht verdenken können, daß ich erst über diesen Punkt Klarheit haben möchte. Sollte ich mich im Irrtum befinden, so können wir ja weiter verhandeln. Diskretion gegen Diskretion. Hochachtungsvoll und ergebenst gez. Dr. Bremer. Auf diese liebenswürdige Epistel gab Dr. Lemberg folgende Antwort: „Sehr geehrter Herr Medizinalrat! Sie haben ganz richtig vermutet, daß ich Jude bin, obwohl mein Vorname kein jüdischer, sondern ein altgermanischer ist. In Nacheiferung dieser diagnostischen Tüchtigkeit stelle ich meinerseits die Wahrscheinlichkeitsdiagnose, daß Ihr Schreiben vom 5. 9. in zum mindesten gleichem Maße nicht nur deutschnationale, sondern antisemitische

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.