Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1913)
- Article
- Delegierten-Versammlung des Landesverbandes für Mittel- und Niederschlesien
- Date
- 1913-01-01
- Page
- 9 (sequence 3)
- Language
- German
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Delegierten-Versammlung des Landesverbarrdes usw, 9 feinem Schwergewicht hervor; bieg belegte der Redner mit vielen treffenden Beispielen. Rach ihm nahm Herr Professor Di-. Ferdinand Blume n t h a l« Berlin das Wort zu seinem Bortrage „Der Kampf um unsere staatsbürgerliche Gleichberechtig u n'g". In fesselnder Weise gab der Redner einen Aeberblick über die jetzige Form des Antisemitismus, ging auf den scheinbaren Philosemitismus, z. B. des Professors Sombart, ein, um dann darzulegen, wie unberechtigt der Standpunkt sei. den Sombart und ihm gleich Denkende einnehmen. Der Redner kennzeichnete in längeren Ausführungen die jetzige „wissenschaftliche" Richtung des Antisemitismus, welche äußerlich nicht angreife, aber in ihrem Inhalte um so schädlicher wirke, indem sie besonders den Gegensatz zwischen deutsch und fremdartig (sc. jüdisch) betone. Ebenso legte der Redner in einer ganzen Reihe von Beispielen dar, daß und wie die Behörden es anstellen, um scheinbar gerecht die Juden von allen Anstellungen, die sie erstreben, auszuschließen; wie aber andererseits die Taufe alle Schwierigkeiten sofort beseitige. Insbesondere wies der Redner auf das Verhalten der Militärbehörden auf dem Gebiete des Sanitätswesens und die hier vorhandenen Unstimmigkeiten hin, daß zwar die jüdischen Aerzte für den Kriegsfall als geeignet erscheinen, aber nicht als Sanitätsoffiziere im Frieden. Ebenso rückständig sei auch das Verhalten der Stadtverwaltungen und vieler Universitäten bezüglich der Anstellungen von Juden. Der Redner wies zum Schluß darauf hin, daß die Bekämpfung aller dieser Vorgänge nur durch eine Organisation erfolgen könne, welche, wie der Centralverein, alle Kräfte umschließe, und forderte dazu auf, daß alle sich an diesem Kampfe beteiligen sollten. Sodann hielt Herr Iustizrat M. Breslauer-Breslau eine Ansprache, in welcher er die Anwesenden aufforderte, nicht nur, soweit dies noch nicht der Fall sei, persönlich dem Centralverein beizutreten, sondern auch ihrerseits für den Centralverein zu wirken; insbesondere könne dies geschehen, indem jeder einzelne ständig bemüht bleibe, andere zum Beitritt zu veranlassen. Demnächst berichtete Herr Waldstein-Breslau über einen in einer antisemitischen Zuschrift erschienenen, die Konfektion betreffenden Artikel, welcher viel Aufsehen erregt hatte. Der Herr Referent wies nach, wie es der Tätigkeit des Centralvereins gelungen sei, Aufklärung zu schaffen und nachzuweisen, daß dieses antisemitische Machwerk völlig unzutreffend sei. Allen Rednern lohnte reicher Beifall der Versammlung, der auch- Herrn Rabbiner Dr. Freund- Görlitz zu teil wurde, als <t: die segensreiche Wirkung des Cenrralvereitts betonte und ih: humorvoller Weise den Entwicklungsgang der Görlitzer meinde schilderte. — Inzwischen waren eine größere Anzahl.