Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1913)
- Article
- Münchener Brief
- Date
- 1913-01-01
- Page
- 5 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Münchener Brief. t breitete sich in ausführlicher Weise über die Mangel anderer Schlachtarten, die keineswegs einwandfrei seien. Schließlich forderte er die Damen auf, vor der Versammlung offen u.d freimütig zu erklären, wie es bei Gebildeten, seien es Damen oder Herren, üblich ist, daß sie von der Agitation gegen das Schächten Abstand nehmen würden, wenn sie sich überzeugen würden, daß die von ihnen vorgebrachten Beschuldigungen eines in weitesten Kreisen unbekannten Broschürenschreibers nicht der Wahrheit entsprechen und sich auf böswillige, auf Unkenntnis beruhende Erdichtungen ergeben werden. Diese Erklärung haben die Damen nicht abgegeben. Sie haben dadurch zu erkennen gegeben, daß sie sich nicht belehren lassen und nicht überzeugt sein wollen. Sie werden auch, wenn sie sich durch den Augenschein vom Gegenteil überzeugen werden, bei ihren Vorurteilen beharren. Nachdem der Referent in ruhigen, würdevollen Worten die Angriffe der Damen widerlegt hatte und für seine wissenschaftliche Aeberzeugung noch einmal eingetreten war, wurde dis Versammlung geschlossen. Für die jüdischen Frauen ergibt sich aus vorstehendem die Pflicht, aus dem Münchener Frauenstimmrechts verein auszuscheiden, insolange diese häßliche, durch nichts begründete Agitation nicht eingestellt wird. Das sind sie sich und der Ehre ihres Glaubensbekenntnisses schuldig*)." *) Anmerkung der Redaktion: Wie zu erwarten war, hat die ursprüngliche Resolution des Verbandes der Frauenrechtlerinnen, die teilweise sinnentstellend wiedergegeben und daher falsch aufgefaßt oder nicht verstanden wurde, bald darauf verschiedene Proteste veranlaßt. Die dem Verband angehörenden jüdischen Mitglieder in Lübeck haben ihren Austritt erklärt. Mit besonderer Genugtuung begrüßen wir es, daß der Bayrische Verein für F r a u e n st i m m r I <$) t von den Kongreß- Beschlüssen, soweit er das Schächten betrifft, abgerückt ist. Die Generalversammlung in Würzburg hat am 26. Oktober 1912 erklärt: -Der Bayerische Verein für Frauenstimmrecht als solcher hat niemals eine Stellung weder für noch gegen die Frage des Schachte ns eingenommen und erklärt ausdrücklich, daß er ~ mit der ^onderveranstaltung Frauenstimmrechts- Kongresses München 1912 nicht identisch ist." Es wird nun Aufgabe der jüdischen Damen sein, auf einem späteren Kongresse dahin zu wirken, daß ein Beschluß im Sinne des Bayrischen Vereins gefaßt wird. Die Gründe dafür sind, daß die Beschäftigung mit der Schächtfrage kaum mit der Frage des Frauenstimmrechts im Zusammenhang steht, daß die Schächtfrage keinesfalls vor einem Forum gelöst werden karn,