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Im deutschen Reich · 1913-01-01 · Heft 1 (Januar 1913) · p. 4

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 1 (Januar 1913)
Article
Münchener Brief
Date
1913-01-01
Page
4 (sequence 2)
Language
German
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4 Im deutschen Reich. Schächten sei gar kein religiöses Gebot, während sämtliche Rabbiner Deutschlands ohne Ausnahme das Gegenteil erklärt haben. Darauf nahm Frl. Heymann das Wort: „Sie haben den Vertreter der Wissenschaft und den Vertreter der Religion gehört; ich aber sage Ihnen, vertrauen Sie nicht der Wissenschaft, vertrauen Sie nicht dem Geistlichen, denn diese führen Sie irre in ihrer Voreingenommenheit. Lesen Sie selbst, was darüber geschrieben wurde, und Sie werden die Iteberzeugung gewinnen, daß das Schächten grausam und tierquälerisch ist." Herr Rabbiner Dr. Werner konstatierte darauf in einer kurzen Entgegnung, daß die Dame selbst zugegeben habe, daß die Wissenschaft auf unserer Seite sei. Damit wollen wir uns begnügen, und über die Gegnerschaft der Dame werden wir uns zu trösten wissen. Frl. I)r. Augspurg versuchte nunmehr ihre Partnerin herauszuhauen mit der Bemerkung, daß nicht alle Vertreter der .Wissenschaft auf unserer Seite wären,- es gäbe viele Gutachten, die gegen das Schachten wären. Sie las sodann aus einem neueren Machwerke eine ganze Schauergeschichte vor, über die entsetzlichen Quälereien, die beim Schächten regelmäßig vorzukommen pflegten. Wer mit dieser Literatur vertraut ist, merkte sogleich, daß es die fanatischen Expektorationen des verbissensten und gehässigsten Schächtgegners, Dr. v. Schwarz, waren, die hier dem Publikum neuerdings aufgetischt wurden. Herr Dr. Ehrentreu erklärte hierauf, daß dieses ganze Schauergemalde der Wirklichkeit Hohn spreche und gänzlich erfunden sei. Auch die Vorbereitung zum Schächten, das Niederlegen der Tiere, auf das die Dame als besoirders gualerisch hingewiesen habe, geschehe mit aller Vorsicht und Schonung für das Tier, wie es von unserem Religionsgesetz geboten ist. Was die Dame von Knochenbrüchen. Eindrücken der Augen, Quetschungen und Drosselungen der Schlachttiere zu erzählen wisse, sei in das Reich der Fabel zu verweisen und von böswilligen Schächtgegnern erfunden. Aus den Ausführungen der Dame ergebe sich mit Deutlichkeit, daß sie noch niemals bei einem Schachtakte als Zuschauerin anwesend war; sonst könnte sie solche Dinge unmöglich Vorbringen. Von einer Frau ihres Bildungsgrades hätte man erwarten dürfen, daß sie, wenn sie sich berufen fühlt, in eine so verhängnisvolle, tausende von Staatsbürgern in ihren heiligsten Gefühlen verletzende Agitation einzutreten, sich vorher durch den Augenschein von den wirklichen Tatsachen überzeugt hätte, wozu sich hier im Schlachthause reichlich Gelegenheit böte, statt uns aus Scharteken schauererregende Phantasiegebilde vorzulesen. Herr Dr. Feuchtwanger fügte noch ergänzend hinzu, daß die Dame nur vom Schächten gesprochen habe, sie habe aber nicht angegeben^ welche Tötungsart vorzuziehen sei, und ver-

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