Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1913)
- Article
- Die jüdischen Medizinalpraktikanten und der Reichstag
- Date
- 1913-01-01
- Page
- 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Münchener Brief. 3 Wir haben die einzelnen Phasen eines langen, mühevollen Kampfens um unser gutes Recht vorstehend andeutungsweise geschildert, um an einem Beispiel zu zeigen, wie langwierig und schwierig es ist, Schritt für Schritt zu erringen, was Verfassung und Gesetz als Recht bereits gewährleistet haben. Wir werden abwarten, wie nun in letzter Instanz Reichskanzler und Bundesrat dem einmütig von der Volksvertretung und der Vertretung des ärztlichen Standes geäußerten Verlangen Nachkommen werden. — L ❖ Münchener Brief. Aus München wird uns geschrieben: „Die hiesige Gruppe der Frauenrechtlerinnen, an deren Spitze Frl. l)r. Anita Augßpurg und Frt. Lida Heymann stehen, hat sich in letzter Zeit wiederholt mit einer Agitation gegen das rituelle Schächten an die Oeffentlichkeit gewendet. Vor einigen Wochen wurde auf Betreiben genannter Damen in einer Vereinsversammlung der Frauenrechtlerinnen eine Resolution gegen das Schächten auf Grund eines Referates durchgesetzt, welches die sattsam bekannten, hundertfach widerlegten, ungeheuerlichen Beschuldigungen des Gewerberates Schwartz und anderer Schachtgegner wiederholte. Das gegenteilige Referat von Frau Dr. Rahel Straus wurde von der Majorität der Anwesenden ignoriert und die schachtgegnerische Resolution angenommen. Darauf sind die anwesenden jüdischen Damen und, wie man hört, auch einige christliche Damen aus der hiesigen Ortsgruppe ausgetreten. Der „Verein jüdischer Akademiker an der Universität München" hielt nun eine öffentliche Versammlung ab, in welcher Herr Dr. Weigl, Polizeiarzt, hier, ein Referat „Kleber das Schachten vom Standpunkt der Physiologie, der Hygiene und der Humanität" vor einer zahlreichen Zuhörerschaft von Herren und Damen hielt. Das Referat war rein wissenschaftlich, streng objektiv, frei von jeder Polemik, und schloß mit dem Ergebnis, daß der Redner auf Grund seiner wissenschaftlichen Ueberzeugung als Arzt und auf Grund seiner mehr als zehnjährigen Beobachtungen in Stadt und Land das Schächten in allen Beziehungen als einwandfrei und empfehlenswert bezeichnen müsse. Herr Rabbiner Or. Werner beleuchtete sodann das Schachten als rituelle Vorschrift vom jüdisch-religiösen Standpunkte und bemerkte, daß ein wenig beneidenswerter Mut dazu gehört, wenn von schächtgegnerischer Seite in dieser eminent jüdisch-religiösen Frage die Behauptung gewagt und öffentlich verbreitet wird, daS