Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1912)
- Article
- Wenn ich der Kaiser wär
- Date
- 1912-12-01
- Page
- 548 (sequence 9)
- Language
- German
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548 Im deutschen Reich. der „Flotte" national denkt, darf sie unmöglich sich dafür aussprechen, daß man einen so großen Bestandteil der deutscheil Bevölkerung, wie.die Juden es sind, unter Fremdenrecht' jteüeu soll. Vom großen n atio n a le n Standpunkt au§ wird man einen derartigen unerhörten L i ngr i ff in d as ganze Rechts- und V e r fa s s u n g s le b en auf das schärfste zuxnckw eisen mnsfeu. □ M Verhalterr der Christen gegenüber den Juden. Professor Sombart hat mit der Meinung, die Iudenfrage sei das größte Problem der Menschheit, von dessen Lösung jeder berührt werde, eine Anschauung bekundet, der sich auch die protestantische Geistlichkeit nicht entzieht. In der von dem Pfarrer I. Kern in Nürnberg herausgegebenen evangelischen Monatsschrift „Christentum und (Hege n w a r t" wurde im Oktober diese Frage in einem „11 n ser Verhalte n g e g e n d i e I s r a e l i t e n" überschriebenen Artikel des Hauptpredigers I)v. Geyer erörtert, der die Notwendigkeit dringend betont, die Stellung zu finden, die den Juden gegenüber angesichts der in dem letzten Jahrhundert wesentlich veränderten Verhältnisse von den Christen einzunehmen sei. Die durch viele Jahrhunderte mißhandelten Juden seien unter den Christen stark und einflußreich geworden. Da mit dem Reichtum zugleich die Möglichkeit einer gediegenen geistigen Bildung gegeben sei, hätten die Juden oft auch solche Stellungen erlangt, die für die Gesamtkultur von hoher Bedeutung seien. Der Verfasser des erwähnten Artikels sagt: „Obwohl von manchen öffentlichen Remtern heute noch ausgeschlossen, üben sie in allen freien Berufen einen großen Einfluß aus; aber ihre äußerlich-glänzende Lage birgt auch tiefe Schatten." Er glaubt, daß gerade die ebdfteu und feinfühligsten Israeliten unter der Mißachtung leiden, die ihrem Stamm als Ganzem entgegengebracht wird, daß sie mehr beneidet als geliebt, mehr gefürchtet als geschätzt werden inib daß man ihnen die Berechtigung zur Mitverwaltung des geistigen Besitzes vielfach streitig macht. Herr Hauptprediger Dr. Geyer erklärt zwar, daß er und seine Amtsgenossen, da sie bricht Politik treiben, nicht berufen seien, die Iudenfrage selbst zu lösen, aber sich dock) darüber verständigen sollten, wie sie sich im einzelnen gegen ihre israelitischen Mitbürger zu verhalten haben. Dabei kommt er 51t folgenden Schlüssen: