Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1912)
- Article
- Der Ausklang der "Kunstwartdebatte"!
- Date
- 1912-12-01
- Page
- 540 (sequence 8)
- Language
- German
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540 Im deutschen Reich. alle Kämpfe auf dem Boden der Offenheitmib den ritterlichen Waffen der Wahrheit geführt werden, so daß wir uns wehren können! Mit solchen Gegnern werden wir gern die Klinge kreuzen, ohne Furcht und ohne Tadel! Herr S t a u f f ist ein Gegner, der uns in allgemeinen Redensarten verdächtigt, verleumdet und beleidigt, um dann den Beweis für seine Behauptung schuldig zu bleiben; mit solchen Feinden zu kämpfen ist schwer, sie sind glatt und geschmeidige und sie entschlüpfen gewandt, wenn man sie gepackt zu haben glaubt. Wir selbstbewußten Juden lassen uns nicht beirren. W i r halten treu an unserer jüdischen, der ethischsittlichen und religiösen Eigenart fest und sind doch stolz darauf, gut deutsch, zu empfinden, zu denken und zu handeln. Linen wesentlichen Teil unseres Deutschtums erblicken wir in der wirklichen Pflege jener Tugenden, die auch die Antisemiten mit dem Munde als die spezifisch deutschen rühmen: Der deutschen Gründlichkeit,, der deutschen Offenheit, der deutschen Tapferkeit! Herr Stauff bekämpft uns weder auf Grund von Kenntnissen, noch offen, noch tapfer! Erst dann werden wir uns mit ihm wieder beschäftigen können, wenn er gelernt hah was echte deutsche Art im Kampfe bedeutet und verlangt. * „Wenn ich der Kaiser wär." „Der Deutsche Kaiser wird zwar von seinen Verehrern ein moderner Herrscher genannt, aber ich fürchte, dies moderne darf nicht so aufgefaßt werden, daß er die echten Forderungen der Zeit versteht, sondern daß er sich ihren Schwächen anaepaßt hat." Mit diesen kühnen Worten hat Ostern 1912 ein gewisser Daniel Frymann ein Buch veröffentlicht, das durch die Schärfe, mit der darin an der inneren und auswärtigen Politik der Reichsregierung Kritik geübt wird, und durch die Unverfrorenheit, mit der die weitgehendsten Forderungen der rückschrittlichen Parteien vertreten werden, einen sensationellen Erfolg erzielt hat. Von diesen Forderungen interessieren uns als deutsche Staatsbürger jüdischenGlaubens besonders die auf unsere vollständige Entrechtung abzielenden, wie uns als Vaterlandsfreunde die gleichzeitige Bedrohung der gesamten Bürgerfreiheit und der Grundfesten des Staates bedenklich macht, auch die wir in diesem Zusammenhänge nicht eingehen können.