Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1912)
- Article
- Berlin / Gothein
- Date
- 1912-10-01
- Page
- 464 (sequence 5)
- Language
- German
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464 Im deutscher!. Reich. — Wie vergiftet die Quellen sind, aus denen unsere deutsche reaktionäre Presse ihre Weisheit schöpft, zeigt eine Leistung des Organs der schlesischen Konservativen, der „Schlesischen Zeitung". Sie hält es mit ihrem vornehmen Antisemitismus" vereinbar, ihren Lesern die folgende Sudelei des Pariser Antisemitenblattes „Inbre Parole“ aufzutischen: „Der Araber meidet so gut wie möglich die unreine Berührung mit einem Sohne Israels. Die französische Regierung kennt natürlich diese Gesinnung nicht und hat nichts Besseres gewußt, als den Ex-Sultan durch den abscheulichsten aller Juden, die sich auf französischem Boden befinden, den Präfekt Schrameck, empfangen zu lassen. Der Ex-Sultan kann nicht in Zweifel sein über die Nationalität dieses sonderbaren Vertreters der französischen Regierung. Die Nase und die Ohren Schramecks sprechen eine zu deutliche Sprache, die der Dolmetscher dem Sultan nicht zu übersetzen braucht. Ls ist leicht zu erraten, an was die drei Personen denken, die uns die Photographie des Empfanges zeigt. Schrameck denkt, daß er doppelt Rache nimmt für seine Rasse, zunächst an den Arabern und dann an den Franzosen. Muley Hafid und sein Dolmetscher müssen sich sagen, daß Frankreich ein sonderbares Land ist, weil es Gold und Ströme von Blut zur Eroberung eines fremden Landes ausgibt, während es selbst auf seinem Gebiet die freche Herrschaft einer fremden Rasse duldet." — Die „Schlesische Zeitung" weiß, natürlich nicht, wie niedrig die französische Regierung das Kulturniveau der „Libre Parole“ abschätzt, aber die von ihr verbreitete Leistung spricht doch eine recht deutliche echt antisemitische Sprache. — Als einen Beitrag zum wirtschaftlichen Antisemitismus betrachten wir nachstehende Mitteilung: „In der „Vossischen Zeitung" fand ich am 18. August ein Inserat, in welchem ein Kontorist gesucht wurde, ohne die leider vielfach vorkommende Beifügung „Christ" oder „Angabe der Religion". Ich schrieb an die in Chiffre S. K. 486 angegebene Adresse und erhielt darauf von der Firma Carl Bauermeister, Weingroßhandlung, Berlin, Fennstr. 28, die Aufforderung, mich am 22. d. M. vorzustellen. Bei meinem Eintritt fragte mich der Inhaber der Firma, welcher Religion ich angehöre. Als ich erklärte, mosaischen Glaubens zu sein, sagte er nur das eine Wort: „Bedaure". Dresden, 1. Sept. In mehreren Tagesblättern stand im Juni dieses Jahres eine Besprechung eines 'Dresdner Schösfenurteils unter der Aeberschrist „In Wahrnehmung berechtigter Interessen." Durch dieses Anteil war ein Aktuar auf eine Privatklage eines jüdischen Kaufmannes, den er durch die Worte beleidigt hatte: „Ich setze mich nicht an