Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 9 (September 1912)
- Article
- Berlin
- Date
- 1912-09-01
- Page
- 420 (sequence 6)
- Language
- German
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420 Im deutschen 9vetd>. wohlwollende und menschenfreundliche Gesinnung bei jeder Gelegenheit betätigt. Dem Rabbiner Dr. Frank erklärte er, tu seiner Diözese keine jndenfeindlichen Kundgebungen der Geistlichkeit zu dulden, und er hat in zwei Fällen, in denen darüber Klage geführt wurde, sofort Abhilfe geschafft. In einem im Cölner „Israelitischen Gemeindeblatt" veröffentlichten, dem hochsinnigen Kardinal von Herrn Rabbiner Dt. Frank gewidmeten Nachruf finden sich folgende Ausführungen: „Als 1905 die furchtbaren Pogrome in Rußland Lausende unserer Glaubensgenossen ins Unglück stürzten, konstituierte sich auch in Löln am 15. November ein Komitee zur Abhilfe des Elends. Am andern Lage trug ich im erzbischöflichen Palais dem Kardinal meinen Wunsch vor, mir ein Schreiben zukommen zu lassen, in welchent er seine Sympathie für unser menschenfreundliches Vorgehen zugunsten unserer russischen Glaubensgenossen ausspreche, wovon ich mir in allen Kreisen, sowohl bei unfern Glaubensgenossen wie bei den andern Konfessionen einen großen Erfolg verspreche. Der Kardinal erwiderte: „Recht gern erfülle ich Ihren Wunsch, aber ich schicke Ihnen auch Geld." Auf meine ablehnende Bemerkung, daß seine Unterschrift jeden materiellen Wert weit übersteige, sagte er: „Rein, das lasse ich mir nichtnehmen." Rur der Lölner Kardinal und der Erzbischof von Bamberg haben damals unter den hohen Kirchenfürsten ein wohlwollendes Wort für die Juden gesprochen." □ Liegnitz, 2. Aug. Das nationalliberale „Liegnitzer Tgbl." hat unter Rr. 119 am 28. Juni d. I. über die Verhaftung von zwei Saccharinschmugg lern berichtet und dabei bemerkt, daß es zwei Juden seien, von denen der eine aus Galizien ist, während der andere in Dresden einen Kleiderhandel betreibt. Diese Angabe der Konfession war in diesem Falle mehr als überflüssig. Die Fassung schien zweifellos eine Spitze gegen die Juden zu enthalten. Da das Blatt in keiner Weise antisemitisch ist, aber doch schon einmal etwas Aehnliches gebracht hat, haben wir geglaubt, den Verleger auf diese Entgleisung eines seiner Berichterstatter aufmerksam machen zu müssen, und von Herrn Kommerzienrat Krumbhaar aus Liegnitz darauf' eine Mitteilung erhalten, in der gesagt wurde: „Die Erwähnung der Religion der verhafteten Personen war vollkommen überflüssig. Die Form, in der es geschah, lief den Tendenzen und den Gepflogenheiten des „Liegnitzer Tageblattes" d u r ch a u s e n t g e g e n. Der bedauerliche Mißgriff findet seine Erklärung darin, daß der leitende Redakteur beurlaubt war, wodurch Vertretungen in den verschiedenen Ressorts notwendig wurden. Ich habe die Betreffenden nochmals angewiesen, derartige Versehen, die ich selbst als Takt-' losigkeiten empfinde, künftighin zu vermeiden." Dieser Zwischen-