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Im deutschen Reich · 1912-09-01 · Heft 9 (September 1912) · p. 415

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 9 (September 1912)
Article
Die Emanzipation der Juden in Preußen
Date
1912-09-01
Page
415 (sequence 10)
Language
German
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Korrespondenzen. 415 Bitte an Friedrich II. gewandt hatten, ben Leibzoll aufzuheben, waren sie schroff abgewiesen worden. Anddabei war es geblieben. Was den Leibzoll so besonders drückend machte, war nicht so seht die materielle Belastung, welche er für den Einzelnen darstellt'., obgleich auch diese unter Umstanden nicht gering war. Vielmehr waren es die begleitenden Nebenumstände. Zunächst der Aufenthalt, der damit verbunden war. Denn an jedem Ort, wo der Jude eintraf, hatte er Paß, und Schutzpatent vorzuweisen, und, falls er sich durch diese nicht als Schutzjude ausweisen konnte, den Schutzzoll zu entrichten. Doch diese Unbequemlichkeit stellte noch das geringere Uebel dar. Denn schon im Interesse der übrigen Neisenden wurde auf eine Beschleunigung der Abfertigung gesehen. Schlimmer war die moralische Seite der Sache, das Entwürdigende und Demütigende, das in der Abgabe lag. Sie zwang den Juden, sich selbst zu verzollen, wie eine Sache oder ein Stück Vieh, und gab dem Zollbeamten oft erwünschten Anlaß, den Juden zu kränken und ihm seine Verachtung zu bezeigen. Und dieses: das Peinliche, Beschämende, Niederdrückende der Situation blieb auch denjenigen nicht erspart, die gegebenenfalls von der Abgabe selbst befreit waren. Denn auch sie mußten sich gleich den übrigen der Zolluntersuchung stellen und sich erst durch Vorzeigung ihrer Papiere über ihre Zollfreiheit ausweisen. Soviel über die Lasten der Juden. * Korrespondenzen. X Berlin. 21. August. Der „Neichsanzeiger" veröffentlicht gegen den bekannten Antisemiten, Nechtsanwalt Vrederek, der einst eine Leuchte des Vereins deutscher Studenten und bei den letzten Neichstagswahlen konservativer Kandidat im Kreise Oberbarnim war, folgenden Steckbrief: „Gegen den unten Beschriebenen, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Untreue, begangen in Berlin, am 14. August 1912, verhängt. Es wirdersucht, denselben zu verhaften und in das nächste Amtsgerichtsgefängnis abzuliefern, sowie zu den hiesigen Akten 5 I. 61. 12 sofort Mitteilung zu machen. Personalbeschreibung. Familienname: B.re de reck. Vorname: Paul. Stand und Gewerbe: Nechtsanwalt. Anscheinendes Alter: etwa 33 Jahre. Geboren am 22. Januar 1877 zu Lichtenow, Kreis Nieder-Barnim. Letzter Aufenthalt: Berlin, Friedrichstr. 169. Jetziger Aufenthalt: unbekannt, Größe: groß. Gestalt: schlank. Haar: schwarz.

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