Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 9 (September 1912)
- Article
- Zur Jahrhundertwende des Emanzipationsedikts
- Date
- 1912-09-01
- Page
- 389 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2316602-2316817-2316825-2346372--22850-2346399- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Im deutschen Reich. mm des kevtrswereiss deMer StaMUger jSdWek Slavbm. Sffcbeint zwolfmal \m Jahre. Der „Central - Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" bezweckt, die deutschen Staatsbürger jüdischeu Glaubens ohne Unterschied der religiösen und politischen Richtung zu sammeln, um sie in der tatkräftigen Wahrung ihrer staatsbürgerlichen und gesellschaftlichen Gleichstellung sowie in der unbeirrten Pflege deutscher Gesinnung zu bestärken. (§ 1 der Satzung des Vereins.) XYIH. Fahrg. Berlin, September 1912. Nr. 9. Zur Jahrhundertwende des Emanzipationsedikts. Vortrag, gehalten am 12. Februar 1912 von Geh. FustizraL Dr. Lugen F u ch §. 1. Am 11. März 1812 vollzog König Friedrich Wilhelm III. das Edikt betreffend^ die bürgerlichen Verhältnisse der Juden rm preußischen Staate, dessen § 1 ben Grundsatz proklamiert: „Die in unserem Staate jetzt wohnhaften, mit Generalprivilegien, Naturalisationspatenten, Schutzbriefen und Konzessionen versehenen Juden und deren Familien sind für Einländer und Preußische Staatsbürger zu achten." Da mein Vater vor dem Edikt geboren wurde, war er durch seine Geburt noch nicht preußischer Staatsbürger geworden. Ob er schon vorher Einländer oder nur konzessionierter Jude, deshalb in Preußen Fremder ohne Heimatsrecht war, weiß ich nicht. Auch die Beantwortung der Frage ist nicht leicht, was die Juden ehedem in staatsbürgerlicher Beziehung waren, ob Fremdlinge oder Kammerknechte, Schutzjuden, Untertanen mit minderer Berechtigung, Schutzverwandte. Alles das ist Gegenstand tiefgründiger historischer und staatsrechtlicher Untersuchungen gewesen, und vielleicht auch heute noch ein dankbarer Stoff für DokLordissertationen und Habilitationsschriften. Manches Mal zweifelt man allerdings, wenn man in der Historie liest, ob denn die Juden überhaupt Menschen also Nechtssuöj k e oder nur Besteuerungsob-ekte waren. Für uns genügt es zu konstatieren, daß unsere Väter vor dem 11. März 1812 Vollmenschen nicht gewesen sind, und das berechtigt uns, auch wenn wir noch so demütig sind, noch so gering von uns denken und uns nicht als den Mittelpunkt der Schöpfung betrachten, doch