Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / S.
- Date
- 1912-07-01
- Page
- 369 (sequence 9)
- Language
- German
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VereinsnachrichLen, 369 die Gesetze gegen den Vieh- und Güterhandel) sowie die Gründung und Förderung der Getreide-, Viehu. a. Genossenschaften beweisen. Die Warenhäuser sind keine jüdischen Institute, sondern Schöpfungen von Großbanken, die ebensoviel jüdische wie christliche Mittelstandsexistenzen bedrohen und vernichten. Wir verschließen uns aber der Einsicht nicht, daß die höhere Wirtschaftsform die niedere niederringt und wachen daher den sinnlosen Kampf nicht wit. Die Antisemiten Hetzen die Landbevölkerung gegen die Juden auf, so dieselben in die Stadt abwandern; dort zetern sie wieder über den Zuzug und die neue Konkurrenz. In Berlin müssen sich 13 000 jüdische Frauen und Mädchen als Angestellte das Brot verdienen. Es ist daher ein Gebot der Ehre, sowohl den ausgestreuten Verleumdungen entgegenzutreten, als auch für unsere Rechte im politischen und wirtschaftlichen Kampfe einzutreten." Der Redner erntete durch seine Ausführungen lauten Beifall, und der Eentralverein hat durch den interessanten Abend eine stattliche Zahl neuer Mitglieder gewonnen. An der anregenden Debatte beteiligten sich die Herren Rabbiner I)x. Kahn, Ferdinand Heß und Albert Adler; letzterer brachte dem Einberuser der Versammlung, Herrn Dx. Kallner, den verdienten Dank der Anwesenden zum Ausdruck. 'Am 4. Juli feiert den siebzigsten Geburtstag ein hochgeschätztes Mitglied unseres Vereins, der Geheime Rcgierungsrat, Professor Dt. Q tv man n Cohen in Mar - b u r g, der als einer der bedeutendsten Jünger und Vertreter der Kantischen Philosophie eine Zierde der Wissenschaft ist und dabei in seinem Leben und seiner Lehrtätigkeit sich stets als ein glaubenstreuer Jude jederzeit bekannt hat. Seine zahlreichen philosophischen Schriften sichern ihm eine bedeutende Stellung in der Gelehrtenwelt, seine Schriften „Bekenntnisse in der Iudenfrage", „Die Rächstenliebe im Talmud" u. a. m. die dankbare Verehrung seiner Glaubensgenossen. Der Jubilar, dem wir herzliche Glückwünsche widmen, wurde am 4. Juli 1842 in Coswig in Anhalt geboren; er hat dort das Gymnasium, später das jüdisch-theologische Seminar in Breslau besucht und hieraus in Berlin und Halle studiert. Im Jahre 1873 erlangte er eine Privatdozentur in Marburg, 1873 eine außerordentliche und 1876 die ordentliche Professur. Möge es ihm vergönnt sein, noch lange Fahre in körperlicher und geistiger Frische seine segensreiche Tätigkeit fortzusetzen! — Frau Kommerzienrat Isaak H i r s ch l a n d in Essen übersandte uns im Andenken an ihren Heimgegangenen Gatten, „der als bewußter Jude für die Leistungen des Vereins erntrat unbstets im gleichen Sinne handelte", 500 Mark, wofür wir hiermit unfern herzlichen Dank aussprechen.