Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1912-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1912) · p. 362

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1912)
Article
[Ohne Titel] / S.
Date
1912-07-01
Page
362 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
address
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2316602-2316817-2316824--22786-2346320
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

362 Im deutschen Reich. Zeitung", sondern auch die „Oppelner Nachrichten" geben deshalb der Erwartung Ausdruck, daß. hier Bemedur geschaffen wird: Das letztgenannte Blatt fügt hinzu: „Ob hier wohl auch eine Slaatsnotwendigkeit vorliegt, wenn es sich darum handelt, Kohlen in die Klassenzimmer zu tragen?" — Wir sind begierig,/ ob künftig von katholischer Seite auch gegen die weit häufigere gleiche Behandlung jüdischer Anwärter in ähnlichen Fällen Front gemacht werden wird. — Ein Mitglied unseres Vereins, Herr Mühlenbesitzer F. L ö w e n st e i n aus Steinheim i. W„ teilt uns nachstehenden Vorfall mit, der deutlich zeigt, daß antisemitischen Auswüchsen gegenüber nur Selbstbewußtfein und Energie am Platze sind. Auf der letzten Innungsverfammlung stand als Punkt 7 der Tagesordnung: Ehrung des Th. Fritsch (Herausgeber des Fachblattes „Müllerbund") zum 60. Geburtstag. Ich reiste hin, um gegen die Ehrung zu protestieren, fand aber bei dem Vorsitzenden Gieffers nicht das nötige Verständnis,- letzterer erlaubte sich sogar eine antisemitische Bemerkung. Ferner sah ich, daß das „Hammerflugblatt" auf dem Sitze eines jeden Mitgliedes lag. Auf eine frühere Beschwerde hin war seitens des Landrats und der Handwerkskammer in Bielefeld Herrn Fritsch verboten worden, seine Flugblätter mit der Fachzeitung „Müllerbund" zu versenden. Die Sache wurde also auf einem Umwege gemacht. Ich erhob nun sowohl wegen Punkt 7 der Tagesordnung als auch wegen der FlugblaLtverteilung Beschwerde beim Landrat und erhielt folgenden Bescheid: Der Landrat. Höxter, den 30. Mai 1912. Tagebuch L. II, Ziffer 1991. An Herrn Mühlenbesitzer Felix Löwenstein in Steinheim i. Westfalen. Auf das Schreiben vom 30. April 1912 erwidere ich ergebenst, daß ich weder die Ehrung des Herrn Theodor Fritsch durch die Müller-Zwangs-Innung, noch die Art und Weise billigen kann, wie der Vorsitzende Ihrem Einspruch gegen diese Ehrung auf der Innungsversammlung am 28. April gegenübergetreten ist. — Ich habe dies dem Vorsitzenden der Innung, Herrn Gieffers, mitgeteilt und ihn ferner ersucht, dafür zu sorgen, daß. die Innung künftig alles vermeiden wird, was als Förderung antisemitischer Bestrebungen gedeutet werden könnte, und daß, jüdische Mitglieder der Innung in den Innungsversammlungen vor Kränkungen in ihrer Eigenschaft als Juden geschützt bleiben. gez.: Koerser. — Daß. es während der letzten Aeichstagswahlen nicht nur in den Versammlungen der Christlich-Sozialen und anderer antisemitischer Gruppen und Grüppchen, sondern auch des Zen-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.