Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1912-07-01
- Page
- 348 (sequence 2)
- Language
- German
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348 Im deutschen Reich. immer noch Leute gibt, die meinen, deutsche Bürger jüdischen Glaubens dürften als Ausländer behandelt und sowohl in ihren vaterländischen wie in ihren religiösen Empfindungen gekränkt werden. Die Gründer des Reichshammerbundes Huben erklärt, daß die Namen der Personen, die außer den beiden Bundeswarten Aemter und Würden in dem Bund bekleiden, nicht bekanntgegeben werden. Trotz dieser Zaghaftigkeit der übrigen Gründer werden sich doch schließlich Leute finden, die für den Mindestbeitrag von einer Mark und nur gegen die Versicherung, daß nach ihrem besten Wissen kein jüdisches Blut in ihren Adern kreise, Bundesmitglieder werden, sich als Vollblut-Arier aufspielen und für die Zeitschrift „Hammer" als unbezahlte Kolporteure wirken. Paul Harms hat im „Berliner Tageblatt" in einem „Saiwinöelmeicx 8c €o." überschriebenen Artikel das Anwesen dieser Fritschschen Sommergründung gegeißelt und sehr richtig darauf hingewiesen, daß diese eigentlich eine Spekulation auf die rassenantisemitische Vorliebe der ostelbischen Grundbesitzer ist; Namen, Wesen und Charakterzüge dieser beweisen, bag, ihr angeblich germanisches Blut durchweg von polnischem, wendischem und litauischem Blute durchsetzt ist. Harms sagt: „Die Rassenschnüffelei also ist am letzten Ende nur das Mäntelchen, hinter dem ein äußerst betriebsamer Geschäftsgeist ungestörter glaubt arbeiten zu können: der Kastengeist des preußischen GroßagrarierLums. Agrardemagoge und Antisemiterich — Schwindelmeier und Kompagnie. Eine alte und bekannte Firma, aber nicht mehr kreditwürdig." Trotzdem hat der Rassenantisemitismus eine solche Macht über viele Gemüter, daß dem Bündnisse zwischen Agrardemagogen und Antisemiten sehr leicht bei einem Kampfe gegen „rassenfremde Elemente" die sogenannten „Alldeutschen" beitreten könnten. Diese verwahren sich zwar dagegen, Antisemiten zu sein; bei Lichte betrachtet, sind sie aber gefährlichere Gegner der Juden als die ostelbischen Agrarier und die radikalen Antisemiten, deren plumpe Angriffe auf alle besseren Gesellschaftsschichten abstoßend wirken. Der Firma Schwindelmeier & Co. ist natürlich nichts willkommener, als die Annäherung von Männern, die ihre antisemitischen Gesinnungen ableugnen, aber durch ihren Rassendünkel sich unwiderstehlich von den Elementen angezogen fühlen, die weniger gottesfürchtig als dreist gegen die vollständig erufndene, in Wirklichkeit nicht vorhandenen „Aeberhebung der Hebräer" zetern. Das halten die „Alldeutschen" für Geist aus ihrem Geiste und schämen sich nicht, ihr Deutschtum dadurch zu kompromittieren, daß sie, ebenso wie die offenen Antisemiten, den (£1x1^1113, der Juden weit über-