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Im deutschen Reich · 1912-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1912) · p. 339

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1912)
Article
Offener Brief des Kreisrabb. Dr. Beermann-Insterburg an Prof. Niebergall-Heidelberg
Date
1912-07-01
Page
339 (sequence 1)
Language
German
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Offener Brief usw.;39 Offener Brief des Kreisrabb. Dr. Beermann- Insterburg an Prof. Mebergall - Heidelberg. Hochgeehrter Herr Professor, ich gehöre zu den Rabbinern, die Ihre wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiete der praktischen Theologie außerordentlich schätzen. Wenn ich auch den Satz in Ihrer Auseinandersetzung in Landsbergers „Iudentaufen" Seite 98 für übertrieben halte, nach welchem sich auf manches Rabbiners Büchergestell mehr evangelisch-theologische Werke als jüdisch-rabbinische finden, und diese Behauptung wenigstens bei mir nicht zutrifft, so habe ich es doch stets mit dem Worte der alten Mischnahlehrer gehalten: „Nimm die Wahrheit von jedem, der sie sagt," bin auch bei gelehrten christlichen Theologen in die Schule gegangen und habe so gerade von Ihnen manche dankenswerte Anregung zumal im Predigtwesen empfangen. And wenn in der letzten Nummer der „Evangelischen Freiheit" Iüngst-Stettin meine Sammlung Festpredigten mit warmen Worten lobt, so freut es mich, hier erklären zu können, daß neben dem gewaltigen Einfluß, den Naumann, Frenssen, Geyer und Rittelmeyer auf mich ausübten, mich Ihre grundlegenden Schriften wesentlich gefördert haben. Ich hoffte auch, in Ihrer Meinungsäußerung unter der Flagge „Iudentaufen", manch tiefes, ernstes Wort zu hören. Ich las Ihre Darbietung mit der Ihnen und der Sache gebührenden innerlichen Teilnahme. Ich erwartete, wenn Sie die Frage: ob Juden aus Aeberzeugung Christen werden können, diskutieren, daß Sie dann scharf und klar mit der Ihnen eigenen Plastik der Darstellung die Stücke aufzeigen, in denen das Christentum das Judentum religiös überboten und überwunden habe. Statt dessen fand ich... doch ich erinnere mich des Kernspruches in Abot, nach welchem ich den, von dem ich auch nur ein Wort lernte, gleich meinem Lehrer zu ehren habe und enthalte mich jeder Kritik. Nur eine Aeußerung, wohl die wichtigste in Ihrer Erörterung, zwingt mich zu öffentlichem Widerspruch. Auf Seite 89 schreiben Sie von Jesus, daß, das geistige Persönlichkeitsleöen, das er gebracht hat, „weit über den sittlichen Monotheismus der Propheten hinausgeht, so sehr er an sie anknüpft". Ich will nicht darauf eingehen, daß die christliche älrgemeinde in den Mittelpunkt der Religion den Mythos vom leidenden, sterbenden und zum Leben, erstehenden Gotte gestellt und dadurch die bereits im Judentum erreichte Mittelpunktstellung des Sittlichen verschoben hat, ich will nicht dartun, wie mit alledem doch unweigerlich — abgesehen von der Trinität — eine Trübung der reinen Gottesidee des Judentums verknüpft ist, auch nicht das will ich in die

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