Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1912)
- Article
- Ein jüdisches Museum
- Date
- 1912-07-01
- Page
- 338 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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338 Im bmi)d}en Reich. die Sache selbst müßte eifrig geworben werden. Dann werden auch reichere Mittel fließen, und die Notwendigkeit der Gründung eines Museums wird bald eintreten, aber eines „Jüdischen" und nicht eines „Jüdisch-Germanischen". Zu diesem Schreiben bemerkt Herr Institutsvorstand Jakob Seifensieder in Nürnberg: Herr Architekt Epstein-Frankfurt a. M. begegnet sich erfreulicherweise mit mir in dem Wunsche, die jüdischen Altertümer in Deutschland zu sammeln und einer größeren Oeffentlichkeit zugänglich zu machen. Er möchte jedoch die Sammlung nicht an das Germanische Museum angliedern; denn sie würde daselbst „ein Aschenbrödeldasein führen und sich neben den schönsten Stücken kirchlicher und profaner Kunst kaum behaupten können". Aber unser Museum soll ja auch gar nicht mit solchen Prunkstücken, wie sie jedes Museum bietet und zu denen ein großer Teil der Besucher doch kein rechtes Verhältnis findet, wetteifern, so wenig wie dies jemals unsere unscheinbaren Bethäuser mit den mächtigen Domen Lun konnten oder wollten; es soll vielmehr ein möglichst getreues Bild vom Leben und Treiben unserer Väter auf deutschem Boden geben und die Beziehungen darstellen, die seit urdenklichen Zeiten zwischen den christlichen und jüdischen Bewohnern Deutschlands stattgefunden haben. So ergibt sich von selbst die Idee des jüdisch-germanischen Museums. Herr Architekt Epstein glaubt ferner, daß. wegen der Fülle des Materials der Anschluß an ein bestehendes Museum unmöglich sei. Selbstverständlich dürfte aus dem Vorhandenen nur das Wertvollste ausgesucht werden, so daß nicht zuviel Platz dafür benötigt würde. Die Erwerbung eines eigenen Heims dagegen dürfteso viel Kosten verursachen, daß.' zunächst wohl davon abgesehen werden muß. Herr Epstein sagt ja selbst, daß es bis jetzt unmöglich war, für die Düsseldorfer Sammlung ein eigenes Heim zu beschaffen. Darum werde unser Museum erst einmal in der von mir angedeuteten Weise in die Wege geleitet, am zweckmäßigsten unter Eigentumsvorbehalt dem Germanischen Museum gegenüber; finden sich dann die Mittel für ein eigenes Heim, so wird dies um so erfreulicher sein. Ob wir dann die Sammlung jüdisches oder jüdisch-germanisches Museum nennen, ist keine Frage trennender Natur, wenn es sich auch in der Mehrzahl der Fälle um Gegenstände handeln wird, die in Deutschland entstanden und für das Leben der deutschen Juden charakteristisch sind, so daß. die Bezeichnung „Iüd.-German. Museum" wohl die angezeigtere sein dürfte. &