Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1912)
- Article
- Ein jüdisches Museum
- Date
- 1912-07-01
- Page
- 337 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Jüdisches Museum. 337 Funde gemacht werden, weil durch die Verfolgungen und Bedrückungen oftmals eine intensive künstlerische Betätigung unterblieben ist. Eine derartige Sammlung dürfte sich kaum neben den schönsten Stücken kirchlicher und profaner Kunst eines Museums, etwa des Germanischen in Nürnberg, behaupten können. Sie würde ein Aschenbrödeldasein führen, da der Laie unbewußt falsche Vergleiche ziehen würde mit einer Kunst, die aus anderen Verhältnissen heraus entstanden ist, die ihm schöner und interessanter dünkt und der er bei einem Besuche des Museums den Vorzug geben würde. Was wir brauchen, ist ein jüdisches Museum, das nur Dinge anfnimmt, die ein abgerundetes Bild jüdischer Kunst und Kultur zeigen, ein Museum in einem schlichten Hause, das neben den ausgestellten Gegenständen aller Art auch stille Interieurs kleiner Synagogen und jüdischer Wohnungen aus verschiedenen Epochen enthalten sollte. All das hat keinen Platz im Anschluß an bestehende Museen, es braucht sein besonderes Heim, das nur dieser Sache geweiht ist. Schon wegen der Menge des Materials dürfte der Anschluß, an andere Museen unmöglich sein. Denn bereits heute sind wir im Besitze einer größeren Anzahl mit Sachverständnis zusammengebrachter Sammlungen, die, wie Seifensieder richtig sagt, oft nur lokale Bedeutung besitzen. Auf eine Sammlung ist aber besonders hinzuweisen, nämlich auf die der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler, Sitz Frankfurt am Main. Diese Gesellschaft wurde auf Anregung des Direktor Frauberger vom Kunstgewerbemuseum zu Düsseldorf im Fahre 1897 gegründet. Neben der Herausgabe wertvoller, illustrierter Publikationen, die periodisch erscheinen, hat diese Gesellschaft bereits viele Gegenden des Deutschen Reiches bereisen und durchforschen lassen und eine umfangreiche Sammlung von Originalen und Abbildungen zusammengebracht, hie im Mai 1908 im Kunstgewerbemuseum zu Düsseldorf, in dem das gesamte Material vorläufig untergebracht ist und unter Obhut des Direktor Frauberger steht, zur Schau gestellt und die von allen Seiten äußerst günstig kritisiert worden ist. Bereits damals wurde der Wunsch rege, diese Sammlungen weiter auszubauen und ihnen ein eigenes Heim zu geben. Das hat sich wohl bis heute noch nicht durchführen lassen, da die erforderlichen Mittel fehlen. Jedenfalls haben wir in dieser Gesellschaft und ihrer Sammlung .einen ganz vorzüglichen Grundstock für alle Unternehmungen, die sich dasselbe Ziel gesetzt haben. An dem Vorhandenen wäre einzusetzen, mitzuhelfen und weiterzubauen. Für