Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1912)
- Article
- Reichtum und Geisteskraft im deutschen Judentum
- Date
- 1912-07-01
- Page
- 333 (sequence 17)
- Language
- German
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' „Jude sein heißt Kämpfer sein." 333 zipationsfeier und der durch sie veranlastten 'ernsten Betrachtungen sich als charakteristisches Merkmal für die Arbeit der nächsten Zukunft, die Forderung nach Pflege und Vertiefung eines der wichtigsten Programmpunkte ergibt: Die E r - z t e h u n g d e s j ü d i s ch e n K i n d e s! „Jude sein heitzt Kämpfer sein." Von vr. med. Julius Winter (Magdeburg). Die Wahlschlacht ist vorüber; Heist tobte der Kampf; ein Ringen, war es wie vielleicht nie. zuvor. Für uns Juden gab es nur eine Devise: In jedem Falle gegen den Erzfeind, den Antisemiten, und in jedem Falle für den, der unsere Rechte als Staatsbürger zu wahren versprach. Wir taten ehrlich unsere Pflicht wie jeder andere Staatsbürger, unserer Ueberzeugung treu, ein jeder nach seiner politischen Richtung. lind dennoch mußten wir bald die Beobachtung machen, daß als Folge der Wahlen, die ja der Sozialdemokratie einen gewaltigen Sieg verschafften, sofort eine vielfach versteckte, vielfach auch offene AnLisemiLenhetze einsetzte. Tatsachen wurden verdreht wiedergegeben, Schmähungen auf Schmähungen wurden auf die Juden gehäuft, politische Mißerfolge wurden dem Wirken unserer Glaubensgenossen in die Schuhe geschoben und ein feucht-fröhlicher Antisernitentanz im Sinne des bekannten Hammer-Fritsch (Leipzig) unseren Mitbürgern empfohlen — ganz wie in: Mittelalter: Tut nichts — der Jude wird verbrannt. Muß uns da nicht das Blut vor Ingrimm zu Kopf steigen bei dem Gedanken, daß man fortgesetzt taub sein will gegen unsere Forderung, mit demselben Maste gemessen zu werden wie andere Staatsbürger, da wir unserer Pflicht in jedem Maße gerecht werden? Denn die Fama, die die Juden als Vaterlandsverräter hinstellt, wird im Lande umhergetragen und läßt tausendfach böse Früchte reifen. So ist es wieder einmal offenkundig geworden, daß noch eine große Summe Mistverständnis zwischen uns und vielen unserer christlichen Mitbürger herrscht, daß wir immer noch auf dem Sprunge sein müssen, aufzuklären, zu mildern, e n t g e g e n z u t r e t e n , um der Wahrheit zum Siege zu verhelfen. Auf zu klären müssen wir zunächst aus Schritt und Tritt bereit sein.