Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1912)
- Article
- Das Talmud-Flugblatt des Centralvereins, eine Beleuchtung antisemitischer Wahrhaftigkeit
- Date
- 1912-07-01
- Page
- 306 (sequence 2)
- Language
- German
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306 Im deutschen Reich. schweigend verkaufen, wenn jener annimmtes sei rituell geschlachtet.« Im 12. Jahrhundert schreibt der Talmuderklärer Mai« monides (Mischna Kommentar zu Kelim 12,7): „Ebensowenig ist erlaubt die Lüge, die Verschlagenheit, jede Art von Betrug, Aebervorteilung oder List einem Nichtjuden gegenüber.« Die Weisen haben gelehrt: „Es ist verboten, die Menschen zu täuschen, selbst die Götzendiener, noch vielmehr ist dies der Fall, wenn es zur Entweihung des göttlichen Namens kommen kann, wo dies eine viel größere Sünde ist.« Nabbi Elias Pinchas ben Mei'r äußert sich im 18. Jahrhundert in seinem Werke Sepher Haberith (Brünn 1797, Teil 2 Abhandlung 13, Eap. 5 ff.): „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst« — darunter ist nicht bloß der Israelit verstanden, denn es heißt doch nicht: „Liebe Deinen Bruder wie Dich selbst«; . . vielmehr ist jeder Dein „Nächster«, der ein Mensch ist wie Du und der Welt nützlich ist wie Du. Darunter sind alle Völker verstanden, denn unsere Weisen haben nirgends die Völker von der Nächstenliebe ausgeschlossen.« S. N. Hirsch, Rabbiner in Frankfurt a. M., gestorben 1888, schreibt: „Es ist für Israel religiöse, nicht minder als alle übrigen heilige, von Gott geordnete Pflicht: In jedem Lande, wo es weile, nicht nur alle die Pflichten zu erfüllen, die des Landes Gesetze ausdrücklich fordern, sondern überhaupt mit Gesinnung, Wort und Tat alles zu tun, was dem Lande nur zum Heile gereichen kann. . . . Gerecht und freudig an Vermögen, an Kraft und Einsicht, alles zu spenden, was das Ganze zum Wohle aller von dem Einzelnen fordert und selbst das Leben hinzugeben, wenn zur Verteidigung das Vaterland seine Söhne ruft.« Fm Jahre 1893 erklärten einmütig sämtliche deutsche Rabbiner, „daß die Sittenlehre des Judentums keine Anschauung anerkennt, welche dem Nichtjuden gegenüber etwas erlaubt, was dem Juden gegenüber verboten ist". Wie erklären sich aber gegenüber so entschiedenen, klaren und unzweideutigen Lehren über Menschenliebe und Menschenwürde die Zitate des Herrn Theodor Fritsch? Lehren sie nicht das absolute Gegenteil? So muß jeder Leser fragen. Wohlan! Sie müssen das Gegenteil lehren, wie Lüge lehren muß das Gegenteil von Wahrheit, Irreführung das Gegen * teil von Gewissenhaftigkeit, Fälschung das Gegenteil von Wahrhaftigkeit. Nur so konnte die Zitaten-Maskerade des Flugblattes zustande kommen.