Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1912)
- Article
- An Herrn Wilhelm Schwaner, Herausgeber des "Volkserzieher"
- Date
- 1912-06-01
- Page
- 277 (sequence 2)
- Language
- German
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Die jüdische Bevölkerung in Deutschland. 277 Standpunktes des Herrn Schwaner füge ich noch folgenden Passus aus einem seiner Artikel hinzu: „In germanischen Landen steht wohl die jüdische und römische Götterwelt unter richterlichem und polizeilichem Schutz, nicht aber die — germanische! Steigt euch nicht die Schamröte bis an die Stirn, ihr stolzen, freien und frommen Nachkommen Ermens, Radbods, Wittekinds und Alboins?" Wer so denkt, kann natürlich das Buch der Bücher nicht verstehen, ahnt nicht die Poesie, welche in der Bibel lebt und „hat vom Geist derselben keinen Hauch verspürt". Davon zeugt schon die Form, in welcher Herr Schwaner die Gestalten und Ereignisse der Bibel schildert. Ich würde Herrn Schwaner raten, ehe er an die Beurteilung der Bibel herangeht, bei Goethe in „Dichtung und Wahrheit" nachzulesen, wie dieser größte aller germanischen Dichter und Denker über die Bibel, insbesondere über die Patriarchen gedacht hat. Zm übrigen wendet sich ja Herr Schwaner nicht nur gegen den jüdischen, sondern offenbar noch viel mehr gegen den christlichen Religionsunterricht. Diesen zu verteidigen, kann nicht meine Aufgabe sein. Berufene Kreise der christlichen Lehrerschaft haben sich allerdings meines Wissens gegen Herrn Schwaner bisher noch nicht gewandt, offenbar, weil sie seine Angriffe für zu töricht gehalten haben. Für mich besteht deshalb kein Anlaß, auf die Sache weiter einzugehen. Die neuerdings von Herrn Schwaner angedeuteten, versteckten Angriffe gegen den Talmud werde ich so lange nicht beantworten, bis Herrn Schwaner wirklich den Mut hat, deutlich zu sagen, was er über dieses Buch und den Gott der Juden sagen zu können glaubt. Dr. Ludwig Holländer, Rechtsanwalt und Syndikus des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. ¥ Die jüdische Bevölkerung in Deutschland. In allen Kreisen, die sich für jüdische Fragen interessieren, werden täglich über die Größe, das Wachstum, die wirtschaftliche und gesellschaftliche Lage der deutschen Juden Behauptungen aufgestellt und der Diskussion zugrunde gelegt, welche auf unrichtiger Kenntnis der Tatsachen beruhen und daher zur Bildung irriger Anschauungen leicht Anlaß geben. Die Un-