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Im deutschen Reich · 1912-05-01 · Heft 5 (Mai 1912) · p. 238

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 5 (Mai 1912)
Article
[Ohne Titel]
Date
1912-05-01
Page
238 (sequence 8)
Language
German
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238 Im deutschen Reich. entwicklung ein, deren Frucht das Iudenedikt von 1812 war. Redner schilderte die Widerstände, die das Edikt vor und nach seiner Entstehung zu überwinden hatte, und gab dabei einen Neberblick über den 100 jährigen Emanzipationskampf, der mit dem 11. März 1912 nicht abgeschlossen, sondern nur in ein weiteres Stadium seiner Entwicklung getreten ist. Diese Ausführungen wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen. An der ausgedehnten Diskussion, die das Interesse der Versammelten bis in die zwölfte Stunde wach erhielt, beteiligten sich der Vorsitzende, die Herren Koplowitz und Böhm sowie der Vortragende. Der bisherige Vorstand wurde durch Akklamation wjedergewLhlt. Unter den Mitteilungen wurde erwähnt, daß die Kandidaten des Zentrums und der Vereinigten deutschen Wähler vor der Reichstagswahl ungefragt worden sind, wie sie sich im Falle ihrer Wahl zur Durchführung der Verfassung, die auf dem Wege der Verwaltung so häufig den Juden gegenüber verletzt würde, verhalten würden. Die Antworten waren uneingeschränkt zustimmende. Eine antisemitische Preßnotiz einer hiesigen Tageszeitung wurde durch das Einschreiten des Vorstandes der Ortsgruppe sofort in der nächsten Nummer des Blattes rektifiziert. — Zum erstenmal seit dem Bestehen des Eentral-Vereins fand in Potsdam am 26. März eine Versammlung der Vereins Mitglieder statt, die sich eines sehr regen Besuches erfreute. Nach einer kurzen Begrüßungsansprache von seiten des Versammlungsleiters, des Herrn Iustizrats Josephsohn, ergriff der Vorsitzende des Eentral-Vereins/Herr Iustizrat I)i'. Horwitz, das Wort und entwarf in großen Zügen ein lebendiges Bilo von der Entwicklung und dem gegenwärtigen Stand der Lage der Juden in Deutschland. Er knüpfte an die Jahrhundertfeier der Emanzipation der preußischen Juden an und hob hervor, daß sie unseren Vorfahren in den letzten 25 Jahren erst durch einen harten Kampf neu erstritten wurde, als Verwaltungs- Praktiken sie uns zu entreißen drohten. Der Kampf um die Erhaltung und praktische Durchsetzung der den Juden verbrieften Rechte werde vom Central-Verein geführt, dem alle deutschen Juden Gefolgschaft leisten müßten, wenn auch der einzelne keinerlei Zurücksetzung spüre. Auch heute sei die Lage der deutschen Juden kritisch. Man solle nicht glauben, die Tage von Könitz gehörten der Vergangenheit an. Noch während der letzten Reichstagswahlen war die Situation in einzelnen Wahlkreisen für die Juden so bedrohlich, daß ihre persönliche Sicherheit auf dem Spiele stand, so in Schlochau-Flatow, wo die Juden des Nachts sich nicht auf die Straße wagten. Darum müsse heute mehr denn je an alle deutschen Juden, nicht bloß die Männer, sondern auch die Frauen, die dringliche Aufforde-

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