Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1912-05-01 · Heft 5 (Mai 1912) · p. 232

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 5 (Mai 1912)
Article
[Ohne Titel]
Date
1912-05-01
Page
232 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
address
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316817-2316822--22592-2346054
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

232 Im deutschen Reich. für die sich unsere Glaubensgenossen stets erwärmen, wenn sie über das, was wir leisten und erstreben, in geeigneter Weise ausgeklärt werden. — Die von der Ortsgruppe Frankfurta. M. des Central- Vereins am 16. März im großen Saal der Frankfurter Loge veranstaltete Versammlung, war von säst 400 Personen, darunter auch zahlreichen Damen, besucht. Nach einleitenden Worten des Vorsitzenden, Herrn Dr. M Linzer, sprach der Syndikus, Herr Rechtsanwalt Dr. Hollän der - Berlin, über „Wirtschaftlicher Antisemitismus und die Reichs- Lagswahlen". Er schilderte wie in einzelnen Wahlkreisen, besonders in Konitz-Schlochau, schon vor der Reichstagswahl die antisemitische Hetze aus Einschüchterung und wirtschaftliche Schädigung der ohnedies in kleinen Verhältnissen lebenden jüdischen Bevölkerung auf dem Lande hinarbeitete. Der Redner legte dann dar, wie nach den Wahlen seitens der konservativen Partei, insbesondere des Bundes der Landwirte, aber auch vielfach seitens des Zentrums, die antisemitische Agitation in einem seit langem nicht mehr beobachteten Maße eingeleitet wurde. Den Motiven des wirtschaftlichen Antisemitismus nachgehend, unterschied er zwischen dem seigneuralen Antisemitismus der vielfach dem Reserve-Offiziersstand angehörenden Leiter wirtschaftlicher Unternehmungen und dem vorzugsweise durch den deutschnationalen Handlungsgehilfenverband genährten Judenhaß unterer Schichten der kaufmännischen und gewerblichen Angestellten. Besonderes Interesse erweckten die Mitteilungen über den nahezu vollständigen Ausschluß der Iuden^aus den technischen und kaufmännischen Stellungen bei der Großindustrie und die für Juden faktisch vorhandene Unmöglichkeit, sich dem Schiffbau und ähnlichen technischen Berufsarten zuzuwenden. Bei Erwähnung der Stellung der Juden in den akademischen Bernsen streifte der Redner auch die Bestrebungen auf Schaffung einer Universität in Frankfurt und mahnte unter lautem Beifall die Frankfurter Glaubensgenossen, im Interesse ihrer Ehre dafür zu sorgen, daß daraus nicht ein Institut werde, an dem die Juden in genau derselben Weise in ihren Rechten gekränkt und zurückgesetzt würden wie an den übrigen deutschen Universitäten. Die Ausführungen des Redners veranlagten eine größere Anzahl noch nicht dem Central-Verein angehörender Anucscnden, ihren Beitritt zu erklären. — Am 17. März veranstaltete die Ortsgruppe Straßburg i. E. des Eentral-Vereins eine Propagandaversammlung, zu der der Syndikus des Vereins, Herr Rechtsanwalt Dr. Holländer- Berlin, sein Erscheinen zugesagt hatte. Aeber 400 Personen, darunter auch mehrere Herren aus Metz, Hagenau, Colmar und Mülhausen, wohnten der Versammlung bei, die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.