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Im deutschen Reich · 1912-05-01 · Heft 5 (Mai 1912) · p. 225

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 5 (Mai 1912)
Article
Ritualmordmärchen
Date
1912-05-01
Page
225 (sequence 8)
Language
German
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Umschau. 225 mußten allen Einwohnern Berns alle Schulden erlassen und überdies der Gemeinde 1000, dem Schultheißen 500 M. Silber zahlen (nach jetzigem Geldwert etwa 8000 und 4O060 Reichsmark). Das ist erklärlich nur, wenn nicht Blutschuld vorlag, sondern Erbitterung darüber herrschte, daß sehr viele den Juden Geld schuldig waren (1297)." Das Brunnendenkmal in Bern beweist für die Existenz eines jüdischen „Kindleinfressers" so wenig als die Telldenkmäler in der Schweiz für den historischen Hintergrund der „Tellsage", der von wissenschaftlichen Autoritäten. u. a. von I)r. Henne am Rhyn, beweiskräftig zerstört wurde. Den Antisemitismus stört derartiges nicht; vor seiner Wühlerei soll die Wissenschaft umkehren; deshalb ist er als „der Sozialismus der dummen Kerle" bezeichnet worden; sozial wirkt er nur nachteilig, seine meisten Erfolge dankt er der Dummheit, mit der selbst Götter vergebens kämpfen. Auf solche Leute macht die Ritualmordfabel leider noch immer tiefen Eindruck. Wir aber vertrauen auf den endlichen Sieg der deutschen Wissenschaft, der es gelingen wird und muß, durch Pflege edler Geistes- und Herzensbildung in Deutschland die Zahl der Dummen so herabzumindern, daß der Antisemitismus schließlich allgemein in seiner Verwerflichkeit erkannt wird. A. L. * Amschau. nknüpfend an den Ausspruch des Kaisers Wilhelm I.: „Es -V'l' muß mit allem Ernst den Bestrebungen entgegengetreten werden, die dahin zielen, die Religion zum Deckmantel politischer Bestrebungen zu machen", hat sich kürzlich die „Königsberger Hartungsche Zeitung" energisch gegen einen Karfreitags-Artikel des von dem Bund der Landwirte massenhaft in ländlichen Kreisen verbreiteten Wochenblattes „Der Ostpreuße" gewandt, in dem behauptet wird, bei dem politischen Kampf handle es sich im wesentlichen um die Erhaltung hex Religion. In dem Artikel heißt es wörtlich: „In dem Wahlkampfe vor dem 12. Januar 1912 schien es sich um wirtschaftliche und Steuerfragen zu handeln. Erbschaftssteuer, Liebesgabe, Freihandel oder Schutzzoll, das waren die Schlagworte. Jetzt, da die Parteien ihre Mandate für fünf Jahre sicher haben, bietet der politische Kampf ein anderes Bild. Zölle und Steuern sind Nebensachen oder nur Mittel zum Auf-

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