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Im deutschen Reich · 1912-04-01 · Heft 4 (April 1912) · p. 200

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 4 (April 1912)
Article
Ein jüdischer Kaufmann [Rezension]
Date
1912-04-01
Page
200 (sequence 2)
Language
German
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200 bcutt4><n Reutz. Er trat bann in das Manufakturwarengeschäft seines Vaters in Preßburg ein, machte sich in Wien' erst als Großkaufmann selbständig, und als da der Erfolg ausblieb, scheute er sich nicht, entschlossen das Alte aufzugeben und auf einem neuen Wege sein Heil zu suchen: er errichtete in Wien ein Herrenkleidergeschäft und sah dieses bald aufblühen. Schon hier bewährte er Verständnis für die wirtschaftlichen Verhältnisse und weiten Blick über die Grenzen seines Vaterlandes hinaus. In Aegypten war nach Beendigung des Krieges der Nordstaaten gegen die Südstaaten in Nordamerika infolge des Sinkens der Baumwollpreise eine, ungeheure Geschäftskrise ausgebrochen und hatte viele Geschäftsleute ins Verderben gerissen. Als das Land ansing, sich zu erholen und wieder neue Ware zu verlangen, entwarf M. den Plan, dort auf neuem Boden der österreichischen Kleiderindustrie Absatz zu schaffen. Nnter ungeheuren Schwierigkeiten — es war im Juli des Kriegsjahres 1866 — reiste er durch das Venezianische, zum Teil zu Fuß bis Triest und von da zu Schiff nach Aegypten und eröfsnete in Kairo zusammen mit seinem jüngeren Bruder ein Kleidergeschäft. Doch blieb das Schwergewicht seiner Tätigkeit immer in Wien, und hier nahm er auch bald Anlaß, mit seinen reichen Erfahrungen und praktischem Verständnis in die publizistische Erörterung wichtiger wirtschaftlicher Fragen einzugreifen. Er wurde gesuchter Mitarbeiter Wiener Zeitungen. Auf die Einzelheiten seiner Tätigkeit, so lehrreich sie auch für den Volkswirtschaftlicher und besonders für den Kenner der Wiener Verhältnisse sind, können wir hier nicht eingehen; für uns ist hier wichtig und lehrreich, was er über die Entstehung und das Anwachsen des Antisemitismus in Oesterreich, hauptsächlich in Wien, über die führenden Männer und über das Verhalten der dortigen Juden, ihre Stellung zu den Angriffen und die Art der Abwehr erzählt. Eine eingehende Schilderung gibt er (S. 256 ff.) von dem Charakter und der politischen Entwicklung Luegers, der ihn einst persönlich ausgesucht hatte, um ihn zur Annahme eines Mandats als Gemeinderat zu bewegen, und mit dem er dann lange in der „Linken" des Wiener Gemeinderats zusammengearbeitet hat; das waren die Zeiten, wo Lueger es noch entrüstet von sich wies, Antisemit zu sein, und in schönen Worten Gleichberechtigung der Konfessionen forderte, bis er, mit dem Anwachsen der judenseindlichen Stimmung unter den Wiener Kleinbürgern, es vorzog, dem Liberalismus den Rücken zu kehren und dem Antisemitismus sich zuzuwenden, der ihn dann an das Ziel seines Ehrgeizes, zum Posten des Oberbürgermeisters von Wien, emportrug. Bei aller Verschiedenheit der deutschen und österreichischen Verhältnisse ist es doch an vielen Stellen des Buches so, als ob wir ein Stück

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