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Im deutschen Reich · 1912-04-01 · Heft 4 (April 1912) · p. 199

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 4 (April 1912)
Article
Die Zurücksetzung der Juden an den Universitäten Deutschlands [Rezension]
Date
1912-04-01
Page
199 (sequence 3)
Language
German
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Bücherschau. 199 daß die Verhältnisse dieselben geblieben sind in Erlangen, Kiel. Marburg und Gießen, daß sie sich leidlich entwickelten in Straßburg, Königsberg und Göttingen, verbessert haben in Bonn, Halle und Jena, dagegen außerordentlich verschlechtert haben in Berlin, Ws sich 1909/10 kein einziger jüdischer Ordinarius befand, ferner in Freiburg. Am ungünstigsten liegen die Verhältnisse in Breslau und Heidelberg. Was die einzelnen Fakultäten anlangt, so haben sich der j u rx st ischen Fakultät überhaupt nur eine geringe Zahl von Juden zugewendet, weil hier, wie in der Justizverwaltung, das Bestreben, die Juden sernzuhalten, zu deutlich in die Erscheinung trat. (Ls gibt gegenwärtig nur vier jüdische Ordinariate in der Jurisprudenz, zwei in Preußen, eines in Baden und eines in Thüringen. Dagegen ist gerade in dieser Fakultät die Zahl der getauften ordentlichen Professoren außerordentlich hoch, nämlich 11 %, die Zahl der außerordentlichen 15 °A>. Noch schlimmer steht es in der medizinischen Fakultät. Mit einem Ausnahmefall ist seit 1884 kein Jude zum Ordinarius befördert worden. Die Zahl der jüdischen Ordinarien ist von 3140/0 im Fahre 1874/75 auf 3 % im Jahre 1909/10 gesunken, die Zahl der jüdischen Extra- Ordinarien im gleichen Zeitraum von 17 auf 10 0/0. In der philosophischen Fakultät gibt es nur bestimmte Fächer, welche den Juden freistehen. Die Mehrzahl der Juden findet Unterkommen in den Ordinarien für Realien, weil man jüdische Mathematiker braucht. Dagegen hält man sie von den philosophischen, philologischen, historischen und vor allem den nationalökonomischen Sitzen fern. Kein jüdischer Nationalökonom in Deutschland ist Ordinarius. Das Resultat der Untersuchung ist die ziffernmäßig belegte Tatsache der Zurückdrängung der Juden und Bevorzugung der Getauften. 8. Lin jüdischen Kaufmann. 1831—1911. Lebenserinnerungen von Sigmund Mayer. Mit einem Bildnis des Verfassers und einem Anhang: Die Juden als Handelsvolk in der Geschichte. Leipzig, Verlag von Duncker & Humblot. 1911. Preis 6 M. Diese „Lebenserinnerungen eines Achtzigjährigen" verdienen, weit über die Grenzen des Freundes- und Bekanntenkreises des Verfassers hinaus gelesen, ja studiert-zu werden. Schon der äußere Verlauf dieses Lebens ist durch seine Eigenart spannend. Der Verfasser, geboren in dem Ghetto von Preßburg im Jahre 1831, besuchte nach Absolvierung der Schulen in seiner Heimatstadt erst das Polytechnikum in Wien und nahm als junger Student teil an den Straßenkämpfen des März 1848, ging dann zum Studium der Rechte über, mußte aber kürz vor dem ersten juristischen Examen wegen einer Augenkrankheit das Examen und die Fortsetzung seiner Studien ganz aufgeben.

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