Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 4 (April 1912)
- Article
- Die Zurücksetzung der Juden an den Universitäten Deutschlands [Rezension]
- Date
- 1912-04-01
- Page
- 198 (sequence 2)
- Language
- German
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198 Jur deutschen Reich. und Mittelschullehrer zum Teil durch die Veröffentlichungen der statistischen Aemter der größeren Bundesstaaten und durch den Kunze scheu Schulkalender für das höhere Schulwesen in Preußen ausgefüllt worden. Dagegen fehlte bisher jede Angabe über die Zahl der jüdischen Hochschullehrer. Dem Verbände deutscher Juden ist -es zu verdanken, daß, soweit es auf dem Wege einer Privaterhebung möglich ist, die amtliche Statistik durch die Veröffentlichung der Zahl der jüdischen und christlichen Hochschullehrer in Deutschland die notwendige Ergänzung gefunden hat. Die Erhebung ist naturgemäß wie alle Enqueten ' nicht vollkommen, gibt aber ein im großen und ganzen zutreffendes Bild von der Entwicklung der Stellung jüdischer Hochschullehrer in Deutschland und der gegenwärtigen Situation. Wie in der ebenfalls vom Verbände herausgegebenen Denkschrift über die Zurücksetzung der deutschen Juden im Iustizdienst im Jahre 1907 wurden auch diesmal den Juden die Getauften gegenübergestellt, um zu zeigen, in welch starkem Maße eine Zurücksetzung der Juden gegenüber den Getauften stattsindet. Die Erhebung erstreckt sich auf die Fahre 1874/75 — die Zeit vor Beginn des Antisemitismus —, 1889/90 — die Zeit des Höhepunktes der antisemitischen Bewegung — und 1909/10 - die Gegenwart. In einer großen Anzahl wohlgeordneter Tabellen ist die absolute Zahl und der prozentuale Anteil der christlichen, jüdischen und getauften Ordinarien, Honorarprofessoren und Privatdozenten im Reich und den einzelnen Bundesstaaten im ganzen, an einzelnen Universitäten (mit Ausnahme von Leipzig - und endlich in den einzelnen Fakultäten zusammengestellt worden. Besonders wertvoll erscheint uns die Kombination zwischen Alter und Beförderung auf Tabelle 4. Als Anhang ist eine Tabelle beigefügt, welche über den Anteil der Juden unter den Kreisärzten, Kreisassistenz- und Gerichtsärzten Aufschluß gibt. Wir müssen uns versagen, im einzelnen auf die Ergebnisse der inhaltsreichen Schrift einzugehen und wollen nur einige besonders wichtige Punkte herausgreifen. Während die erste Tabelle, welche erkennen läßt, in welchem Verhältnis die Juden und die Getauften zur Gesamtzahl der Universitätslehrer der einzelnen Kategorien in Deutschland überhaupt, in Preußen, Bayern, Baden und im Elsaß stehen, den Eindruck hervorruft daß scheinbar im Laufe der Fahre gar zu erhebliche Unterschiede hinsichtlich der Bekenner der einzelnen Konfessionen nicht eingetreten sind, lehrt ein genaueres Studium der folgenden Tabellen, daß das Verhältnis der Juden an den Universitäten sich weit mehr verschlechtert hat, als man zuerst glauben wollte. Es zeigt sich nämlich, dast niemals Ordinarien bestanden haben, an den Universitären: Münster, Würzburg, Tübingen, Rostock,