Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 4 (April 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / Kohnstamm, Robert
- Date
- 1912-04-01
- Page
- 196 (sequence 17)
- Language
- German
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1% Im deutschen Reich. sche Kundschaft, die ihr bisher so treu geblieben ist, daß zweifellos die Besitzer dieser Konditorei ihr ihre Wohlhabenheit zu verdanken haben Diesen spezifisch jüdischen Zuspruch verdankt die Firma der Nachbarschaft vieler jüdischer Geschäfte, deren Inhaber dort gern mit Glaubensgenossen ein Plauderstündchen verbringen. Immerhin durfte man von den Besitzern erwarten, daß sie in ihrem eigenen Interesse alles vermeiden würden, was auf ihre Kunden den Eindruck machen muß, daß sie wegen ihrer Religion als minderwertig betrachtet werden. Trotzdem hat einer der Inhaber, als er zum 1. April einen ersten Buchhalter suchte, ausdrücklich in seinem Inserat nur einen solchen evangelischen Bekenntnisses verlangt und damit jüdische Bewerber öffentlich ausgeschlossen. Als ihm dies vorgestellt wurde, hat er erklärt, er habe einen jüdischen Hausdiener, auch einmal eine jüdische Verkäuferin gehabt, aber deren Anstellung habe zu unliebsamen Vorfällen geführt. Er sei fein Antisemit, habe auch jüdische Lieferanten usw. und in seinem Inserat nur Angabe der Konfession verlangt, um jüdische Bewerber um die Buchhalterstelle nicht um ihre Zeit zu bringen. Wir halten es nicht für ausgeschlossen, daß jüdische &uubeu des Herrn Gumpert es künftig vorziehen werden, in anderen Konditoreien sich bei einem Cafetier zu treffen, der bei Besetzung seiner Stellen nur nach Moralität und Befähigung fragt. $ Briefkasten. £. Tb.. Berlin. Wenn sich die Antisemiten untereinander zanken, oann sagen sie sich recht bittere Wahrheiten. In einem „Sammelruf" überschriebenen Artikel hat-die Staatsbürger-Zeitung am 17. März offenbar aus Angst vor Konkurrenz, und zwar diesmal vor rein germanischer Konkurrenz, ihren Gesinnungsgenossen folgendes ins Stammbuch geschrieben:,, Es ist wahr, daß wir Deutschvölkischen uns bisher selten oder nie zu einer entscheidenden Aktion aufraffen konnten, weil unsere Tätigkeit eben immer an der unseligen Zersplitterung krankte. Getrenntes Marschieren mag noch angehen, aber daß das vereinte Schlagen, wie schon so oft geschehen, so ausgelegt wird, daß wir aufeinander l o s s ch l a g e n, wenn wir vereint sind, das muß. jetzt ein für allemal ein Ende haben. Das kostspielige Vergnügen der „Kabbelei" aus nichtigen Gründen, müßige Redetour niere der Prinzipienreiter, das verhältnismäßig tatenlos e Hindämmern im eigenen eng abgeschlossenen Zirkel — alles das können wir Deutschvöckfischen uns nicht mehr