Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 4 (April 1912)
- Article
- Die "Judenpresse"
- Date
- 1912-04-01
- Page
- 169 (sequence 2)
- Language
- German
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Die „Iudenpresse". 169 tionsstuben Berlins in homerisches Gelächter ausbrechen. And wenn sie weiter Horen: „Eine solche Iudenpresse hat niemals existiert und existiert nicht; das Verhältnis der Juden zu Andersgläubigen hat immer auf Freundschaft und gegenseitiger Achtung beruht!" so werden sie vor Staunen über solche Dreistigkeit verstummen und ihnen dafür die Ohren gellen. Nun darf man auch ruhig sagen, eine Iudenpresse gibt es nicht, geschweige denn eine solche, die gegen das Christentum und seine Vertreter feindlich gesinnt ist und unausgesetzt ch r i st l i ch e n Glauben, christliche Sitte und christliche Einrichtungen bekämpft, verhöhnt und bedroht. Das wird grundlos von den bösen Antisemiten behauptet, und wer zum Beispiel beim Berliner Tageblatt die Achtung dem Christentum und seinen Vertretern gegenüber vermißt, der ist eben Antisemit und zählt für Herrn Dr. WiefenLhal nicht. Seltsam, höchst seltsam? Was Dr. Wiesenthal mit feinen Behauptungen beabsichtigt hat, wollen wir nicht untersuchen; objektiv lassen sich seine Worte am kürzesten in die Form kleiden: 8i feeisti, nega. (Nur tapfer alles leugnen.)" Diesem Erguß der beiden frommen Organe, der „Germania" und dem „Reichsboten" gegenüber wiederholen wir, daß es eine von Antisemiten oft hervorgeholte, aber unwahre Behauptung ist, daß „die Indenpresse gegen das Christentum feindlich gesinnt ist und unausgesetzt christlichen Glauben, christliche Sitte und christliche Einrichtungen verhöhnt, bedroht und bekämpft." Wenn einzelne Blätter, an deren Redaktion Juden oder ein Jude oder ein gewesener Jude oder — kein Jude beteiligt ist, einen Kampf gegen die reaktionären Parteien führen, der den letzteren nicht paßt, so hat die Gesamtheit des Judentums oder der Central-Verein ebensowenig Einfluß darauf und ist ebensowenig dafür verantwortlich zu machen, wie das Christentum für Ausfälle und Infamien einzelner Zentrums- und der antisemitischen Organe. Wenn man ritterlich kämpfen und der Wahrheit die Ehre geben will, so weise man uns derartige Beschimpfungen und Verhöhnungen des C h r ist e n t u m s i n u n se re r Z e i t s chr i f t o d e r i n e i n e m andern jüdischen Organ nach. Wan nehme aber nicht „den Mund voll" ohne den Schatten eines Beweises. - So lange dieser Beweis nicht geführt wird, müssen wir den Vorwurf des Mangels an Wahrheit zurückgeben. Stöcker als Vorbild für Bescheidenheit und Wahrheit lasse man lieber im Grabe ruhen; Stöcker, der mit seiner unbescheidenen Renommisterei mit seiner „hohen Freundin" sich unmöglich gemacht hat, Stöcker, der mit seiner Kampsesweise