Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 4 (April 1912)
- Article
- Ein Jüdisch-Germanisches Museum
- Date
- 1912-04-01
- Page
- 167 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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(iin Jüdisch-Germanisches Museum. 167 Worte des jüdischen Sängers: „Wenn ich dein vergesse, Jerusalem, so versage meine. Rechte!" Deutschtum und Judentum sind keine Gegensätze, wie unsere Feinde glauben machen wollen, sondern die beiden Komponenten unserer Lebenskraft, die Elemente unserer Persönlichkeit als deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens. Verwunderlich ist dabei nur, daß wir so wenig auf die Zusammenhänge acht haben, die zwischen Deutschtum und Judentum schon in früherer Zeit bestanden. Wissenschaftlich sind diese Beziehungen bis ins kleinste dargelegt, aber die wirklichen, sichtbaren Zeugnisse unserer deutschjüdischen Vergangenheit sind uns ziemlich gleichgültig geblieben; sie sind verschlossen oder doch in alle Welt zerstreut. lind doch wäre es eine Aufgabe, würdig aller Deutschen jüdischen Bekenntnisses, alle die stummen und doch so beredten Zeugnisse zu sammeln, die vom Leben unserer Ahnen auf deutschem Boden erzählen und die Kulturgeschichte der Juden in Deutschland illustrieren. Wohl hat man in einzelnen Städten Sammlungen jüdischer Altertümer angelegt, aber mehr als lokale Bedeutung haben dieselben bis jetzt nicht erlangen können, da der Kreis der Interessenten für eine örtlich begrenzte Sammlung zu klein ist und die zur Verfügung stehenden Mittel naturgemäß zu gering sind; die in einigen deutschen Museen aufgestellten, in Frage kommenden Gegenstände aber, die wohl einem größeren Kreis von Beschauern zugänglich sind, verschwinden in der Fülle des dargebotenen Materials und erfüllen auch sonst nicht den Zweck, den eine möglichst lückenlose Sammlung jüdischer Altertümer für Juden und Nichtjuden haben soll. Das jüdischgermanische Museum dagegen, wie wir es im Auge haben, soll alle für das Leben der Juden in Deutschlandkulturhistorisch oder künstlerisch wichtigen Gegenstände in Originalen oder, falls diese nicht zu beschaffen sind, in guten Nachbildungen enthalten; es soll nicht Eigentum eines einzelnen Vereins oder einer Einzelgemeinde sein, sondern soll von der Gesamtheit der deutschen Juden errichtet und erhalten werden als Gegenstück und notwendige Ergänzung zum Archiv der deutschen Juden, ähnlich wie das Germanische Museum Nationaleigentum aller Deutschen ist. Und wohin soll endlich dieses jüdisch-germanische Museum kommen? Ich denke: Nürnberg, wo sich das Germanische Museum befindet, ist auch der geeignete Boden für unser Museum. . Die Leitung des Nationalmuseums würde gewiß, nachdem sie schon einige jüdische Altertümer unter ihren Schätzen hat, die Hand dazu bieten, diese Gegenstände mit den neu hinzukommenden in einem eigenen Raum zu vereinigen und so den Rahmen zur Verfügung stellen für das bunte und lehrreiche Bild vom Leben der Juden in Deutschland, wie es sich mit der Zeit dem sinnenden Beschauer in dieser Sammlung