Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 4 (April 1912)
- Article
- Die 3. Versammlung des Landesverbandes des Central-Vereins für Hessen-Nassau und Großherzogtum Hessen
- Date
- 1912-04-01
- Page
- 165 (sequence 2)
- Language
- German
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Die 3. Versammlung des Landesverbandes usw. 165 da in einer großen Anzahl der vorgeschriebenen Schulbücher anstoßerregende Stellen enthalten seien. Bemerkenswert war ferner die von anderen Vertrauensmännern bestätigte Mitteilung des Herrn Strauß, daß jetzt, nach den Wahlen, eine intensive antisemitische Agitation in Hessen eingesetzt habe, während vor den Wahlen, wie erklärt wurde, von einer antisemitischen Agitation im strengen Sinne des Worts nicht gesprochen werden konnte. Mit Rücksicht darauf, daß offenbar die antisemitischen Wahlkassen jetzt nach den Wahlen auffallend gut gefüllt seien, wurde verlangt, daß auch unsererseits sofort an die Schaffung eines Wahlfonds und an die -Schaffung bzw. Subventionierung von Parteisekretariaten der als Gegner der Antisemiten in Betracht kommenden Parteien herangegangen werde. Die Parteisekretariate müßten unsererseits mit einem besonderen politisch-apologetischen Werk gegenüber spezifisch antisemitischen Angriffen versehen werden. Gewünscht wurde auch eine systematische Verbreitung des Antisemitenspiegels unter den Ortsgruppen und Vertrauensmännern, um diese instand zu setzen, gelegentlich selbst rednerisch aufzutreten. Aus der Ortsgruppe Marburg wurde eine dort erfolgte Anregung des Herrn Rechtsanwalts Bachrach mitgeteilt, dahingehend ,daß innerhalb der Ortsgruppen auch eine allgemeine politische Schulung erfolgen soll, damit gegebenenfalls aus unseren Reihen geschulte Redner den antisemitischen Agitatoren entgegentreten können. Von.verschiedenen Seiten wurden Klagen darüber geführt, daß die Rationalliberalen im Wahlkamps gegen die Linksliberalen vielfach direkt antisemitisch gehetzt hätten. Von verschiedenen Seiten wurde über eine außerordentlich rohe antisemitische Hetze seitens des Zentrums und seiner Presse berichtet. Im Wahlkreis Alzey-Bingen wird das Wahlresultat ausschließlich dieser Hetze, die dort auch von bündlerischnationalliberaler Seite mitbetrieben wurde, zugeschrieben. Andererseits wurde Klage darüber geführt, daß spieziell im Wahlkreis Hersfeld-Rotenburg-Hünfeld trotz aller Mahnungen die Juden in vielen Gemeinden für den Antisemiten Werner in der Stichwahl gestimmt haben. Bezüglich der Weiterorganisation des Landesverbandes wurde auf Wunsch der Casseler Vertreter beschlossen, den Regierungsbezirk Kurhessen nicht abzutrennen, wogegen die Ortsgruppe Cassel sich verpflichtet, die Arbeit auf dem Lande in dem oberen Kurhessen von Cassel aus zu besorgen und alle Vorgänge, die Kurhessen betreffen, zu bearbeiten. Schließlich wurde auf Antrag des Herrn Rechtsanwalts Dr. Rudolf Geiger beschlossen, bei dem Zentralvorstand in dem Sinne vorstellig zu werden, daß in Frankfurt a. M. für Süd-