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Im deutschen Reich · 1912-03-01 · Heft 3 (März 1912) · p. 135

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 3 (März 1912)
Article
Wie Märchen entstehen
Date
1912-03-01
Page
135 (sequence 7)
Language
German
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Wie Märchen entstehen. 135 tral-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens heute schreibt: „Wie Sie sich denken können, ist durch die unwahren Behauptungen des „Berliner Tageblattes", Sie hätten sich sür einen antisemitischen Nationalliberalen ins Zeug gelegt, bei unseren Mitgliedern teilweise große Mißstimmung entstanden. Der Syndikus wird in dieser Angelegenheit täglich befragt, und heute hat sich auch ein Mitglied veranlaßt gesehen, deshalb auszutreten. Wir würden Ihnen nun besonders verbunden sein, wenn Sie uns recht bald, um den Gerüchten mit aller Energie entgegentreten zu können, Mitteilen würden, was es mit dem angeblichen Antisemitismus des Nationalliberalen auf sich hat." Wer Politik treibt, der weiß, daß ihm Gegner erstehen, die er bekämpfen muß. Wenn mir — gerade mir — einer nachsagt, daß ich bewußtermaßen für die Wahl eines Antisemiten in den Reichstag eingetreten sei, den bekämpfe ich nicht — den lache ich einfach aus. * Amschau. ^Vtt ie der Charakter eines Menschen am deutlichsten erkennbar wird durch die Art, wie er im Nnglück sein Schicksal erträgt, so bietet auch für den inneren Wert einer politischen Partei ihr Verhalten nach schweren Niederlagen den richtigsten Gradmesser. Dem gesunden Sinn des deutschen Volkes kann es nicht entgehen, daß die rückschrittlichen politischen Parteien weit davon entfernt sind, aus den Schlägen, die siebetroffen haben, die richtige Lehre zu ziehen, daß die meisten ihrer Anschauungen mit dem Wesen des modernen Staates unvereinbar sind. Ihre beständigen Versuche, durch antisemitische Verhetzungen den Liberalismus niederzukämpfen und die Staatsleitung in terroristischer Weise zur Hemmung von Kulturfortschritten zu zwingen, konnten nur dieGrundlage zerstören auf welchen die konservative Sache ruht. Welche Instinkte die agrarischen und antisemitischen Politiker in der Angst und Not ihrer jetzigen Lage verraten, ergibt sich nicht nur aus dem stärkeren Hervortreten des Antisemitismus in der konservativen Presse, sondern auch aus dem gehässigen Ton, in dem sie die leitenden Staatsmänner, die Finanzkreise und die ohne allen Grund als „jüdisch" bezeichnete liberale Presse für das Ergebnis einer

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