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Im deutschen Reich · 1912-03-01 · Heft 3 (März 1912) · p. 128

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 3 (März 1912)
Article
Wahlbetrachtungen
Date
1912-03-01
Page
128 (sequence 8)
Language
German
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128 Im deutschen Reich. man durch eine gerechte und vernünftige Politik, die jedem das Seine läßt, am allerbesten diejenige „Zurücksetzung" bekämpft, die jetzt gerade von den Juden ausgehen soll? Hat man dafür gar kein Gefühl, welches Anrecht man begeht, wenn man für Fehler Einzelner, die überall gemacht werden, die Gesamtheit zur Verantwortung zieht? Der Lentral-Verein ist sich bewußt, in seinem nunmehr fast 20 Jahre währenden Kampfe gegen die Angerechtigkeit niemals provoziert und immer den Weg friedlichen Verständnisses gewiesen zu haben. Er wird aber auch, wie er es in diesem Wahlkampfe getan hat, in Zukunft nicht dulden, daß man insbesondere den jüdischen Mittelstand und die kleinen Leute in der gröblichsten Weise zu schädigen und zu ruinieren sucht, indem man mit jeder Art der Beschimpfung jüdische Religion, jüdische Ehre und jüdische Existenzen zu bedrohen und zu vernichten trachtet. Die Wahlen sind zu Ende; mit der Vorbereitung der nächsten Wahlen mutz sofort begonnen werden. Selbst ist der Mann! Es gibt keine politische Partei, welche unsern Kampf ums Recht mit solcher Energie und mit dem Herzblut der gekränkten Persönlichkeit auszufechten vermag, wie wir es selbst können. Aber das ist Nur möglich, wenn wir unsere Organisation ausbauen! Im kleinsten Bauerndorf, wo einige jüdische Familien wohnen, müssen Vertrauensmänner ausgestellt werden, die mit den Ortsgruppen und Landesverbänden in steter Berührung stehen und jede antisemitische Verallgemeinerung und Verdächtigung zielbewußt bekämpfen. Die Antisemiten schaffen hauptsächlich neue Organisationen. Der neugegründete „Wehrverein" wird von der sogenannten „nationalen" Presse für ihre Bestrebungen reklamiert, Deutschbund und alldeutscher Verband wühlen fortgesetzt, das Gros der Mitglieder des deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes hat sich im Wahlkampf als fanatischer Diener der Judenfeinde bewährt und die auf Veranlassung des Kaisers ins Leben tretende Jugendbewegung wird von den Antisemiten nachweislich für ihre Zwecke zu verwenden gesucht. Man ist auf der Gegenseite so schlau gewesen, möglichst unauffällig und unter dem Deckmantel vaterländischer, wissenschaftlicher und künstlerischer Bestrebungen die Abneigung gegen die Juden tropfenweise zu verbreiten. Das Gift ist schleichend und darum um so gefährlicher. Lassen wir uns nicht durch Zahlen betören. Die. Iudengegnerschaft ziffernmäßig erfassen zu wollen, heißt Eharlatanerie treiben. Die Wahlziffern allein bedeuten gar nichts. Darum ans Werk! Ludwig Holländer.

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