Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 3 (März 1912)
- Article
- Das Judenedikt vom 11. März 1812
- Date
- 1912-03-01
- Page
- 121 (sequence 9)
- Language
- German
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W a h lb etr a chtun g en. 121 ten, Schutzbriefen und Konzessionen versehenen Inden und deren Familien" für „Einländer und Preußische Staatsbürger" erklärte. Wegen der Zulassung zu den Staatsämtern, die vorerst formal und rechtlich anerkannt wurde, verhieß es eine spätere gesetzliche Feststellung. Die Juden waren durch das Edikt vollauf befriedigt. Durch die begeisterte Teilnahme an den Freiheitskriegen, durch die gesteigerte Mitarbeit an allen vaterländischen Interessen, durch den ernsten Eifer für die Förderung der Erziehung der jüdischen Jugend zu Handwerk und Ackerbau bewiesen sie den ehrlichen Willen, sich ihres Vaterlandes würdig zu erweisen. Sie haben aber den Nachweis ihrer inneren Emanzipation vor allem durch die treueste Verteidigung ihrer seither so oft und so ernst bedrohten Gleichberechtigung erbracht. Sie waren ja leider nicht zu selten gezwungen, für ihre Gleichstellung mit Aufbietung aller Kräfte einzutreten. Preußen hat sein 1812 den Juden gegebenes Versprechen noch nicht voll eingelöst. Das bittere Wort von der Gleichberechtigung auf dem Papiere besteht noch immer zu Recht. Aber auch die entschlossene Energie der Vorfahren und ihr gutjüdischer lebensbejahender Idealismus lebt noch in der Enkeln. Sie denken in diesen Tagen mit frommem Dank der Ahnen, die ihnen die Vollendung des Ehrenkampfes für die Gleichberechtigung als heiliges Erbe gelassen. Sie kennen die tiefernste Verantwortlichkeit dieser übernommenen Verpflichtung. Sie geloben am 11. März: Es gibt nur eine Möglichkeit den Kampf zu enden: die äußere und innere unumschränkte Anerkennung und Durchführung der Gleichberechtigung der Juden in Preußen. * Wahlbetrachtungen. Bei der Beurteilung eines Wahlergebnisses, insbesondere für die Stellung der Juden, muß neben dem Umstande des allgemeinen Ausfalles der Wahl geprüft werden, ob die dem Wahlresultat vorausgehende Agitation zu einer erheblichen Verschärfung der Gegensätze innerhalb der verschiedenen Bevölkerungsschichten geführt hat. Eine solche Untersuchung ist um so wichtiger, als unter Amständen der Inhalt der A g i t a t i o n s r e d e n Gegensätzlichkeiten bei der Bevölkerung auslösen kann, die nachher schwer wieder gut gemacht zu werden vermögen. Wenn die Wahlagitation großer Parteien von Abneigung und mangelndem Gerechtigkeitssinn gegen die Juden getragen wird, so ist