Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / L.
- Date
- 1912-02-01
- Page
- 96 (sequence 6)
- Language
- German
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96 Im deutschen Reich. Kaufmann I. Cohen-Lüdenscheid als Beisitzer. Die von der Gruppe neuerdings angebahnte Werbung neuer Mitglieder vollzieht sich unter günstigsten Aussichten, so daß auch diese Ortsgruppe sich voraussichtlich zu einer Stütze unserer Sache ausgestalten wird. — Ansere Ortsgruppe M a i n z hat im Laufe der letzten Wochen zwei außerordentlich verdienstvolle Mitglieder ihres Vorstandes verloren. Das Hinscheiden der Herren Meyer-Ganz und Iustizrat Dr. Max Loeb wird in weiten Kreisen beklagt. Herr Mayer-Ganz hat besonders im Dienste der Gemeinde Mainz Bedeutendes geleistet, das ihm ein dankbares Gedächtnis sichert. Herr Iustizrat Dt. Max Loeb aber hat sich die Hebung der Selbstachtung und des Gemeinsinns der deutschen Juden unvergeßliche Verdienste erworben. Ehre dem Andenken dieser beiden wackeren Männer! — Da in der letzten Zeit zahlreiche Lehrerinnen an den Central-Verein mit dem Ersuchen herangetreten sind, ihnen zur Erlangung einer Stellung behilflich zu sein, halten wir es für notwendig, darauf hinzuweisen, daß. die Stellenvermittlung nicht zu den Aufgaben des Central - Vereins gehört, doch sind wir gern bereit, soweit es in unseren Kräften liegt, der gegenwärtigen Notlage jüdischer Lehrerinnen zu steuern. Wir halten uns zunächst für verpflichtet, angesichts der starken Ileberfüllung des Lehrerinnenberufes und der geringen Aussichten, welche für jüdische Kandidatinnen zwecks Erreichung einer staatlichen Stellung bestehen, darauf hinzuweisen, daß die Befähigung, Religionsunterricht zu erteilen, für das Vorwärtskommen unbedingt nötig ist; in zweiter Linie aber dringend die Eltern zu warnen,», ihre Töchter als Lehrerinnen ausbilden zu lassen. Das Studium erfordert viel Zeit und Mittel!, unb der Erfolg steht in keinem Verhältnis zu den aufgewendeten Opfern. Dagegen können wir zur Ausbildung als Buchhalterin, Stenotypistin, Privatsekretärin und Registratorin raten, weil in diesen Berufen eine Ueberfüllung nicht vorliegt und die Bezahlung nicht ungünstig ist. — Im Kaiserin - Auguste - Viktoria - Haus z u r Bekämpfung der Säuglings-Sterblichkeit war, wie zu unserer Kenntnis gebracht wurde, vor einiger Zeit eine jüdische Pflegerin auf ihre Meldung wegen ihres jüdischen Glaubens abgewiesen worden. Das Kuratorium der Anstalt hat diese Zurückweisung nicht gebilligt. Neuerdings ist eine jüdische Pflegerin in die Pflegerinnenschaft eingestellt, sowie auch ein jüdischer Arzt angestellt worden. — Ein Mitglied unseres Vereins teilt uns folgenden Vorfall als Beweis dafür mit, daß gar oft antisemitische Mißstande