Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / L.
- Date
- 1912-02-01
- Page
- 93 (sequence 3)
- Language
- German
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V er einsnachrichLen. 93druck gelangt, daß, der Verband der jüdischen Iugendvereine Deutschlands sich insbesondere auch unter das Protektorat des Central-Vereins gestellt hat. Am Schlüsse betonte Herr Rechtsanwalt Dr. Brodnitz unter allgemeinem Beifall, daß die Versammlung eine erfreuliche Klärung gebracht habe. Nicht die Ortsgruppen seien die besten, in denen die Mitglieder sich darauf beschränkten, den leitenden Persönlichkeiten Beifall zu klatschen. Jede ehrliche,, aus einem warmen jüdischen Herzen kommende Kritik werde Dankbar begrüßt. Daß Königsberg nicht bloß keine ruhige, sondern auch keine untätige Ortsgruppe sein wolle, habe die Versammlung bewiesen. Die Versammlung führte zu einer großen Zahl neuer Beitrittserklärungen. — Die Ortsgruppe Chemnitz des Central-Vereins hatte für den 10. Dezember 1911 eine öffentliche Versammlung in das Kaufmännische Vereinshaus einberufen. Die Versammlung war aus allen Kreisen der Gemeinde, besonders auch von dem vor wenigen Wochen gegründeten Iugendbund und aus der näheren und weiteren Amgebung von Chemnitz äußerst zahlreich besucht. Nach einigen begrüßenden Worten des Vorsitzenden, Herrn Leopold Eg er, bot Herr LandLagsabgrordneter Dr. Co hn - Dessau in seinem Vorträge: „Der Staat und die Juden" ein umfassendes Bild der Lage unserer Glaubensgenossen im Deutschen Reiche. Besonders wies er an der Hand statistischer Unterlagen u. a. nach, in welch auffälliger Weise der Staat die getauften Juden bevorzuge, die hauptsächlich in der Justizverwaltung selbst gegenüber Andersgläubigen zu einem weit höheren Prozentsätze befördert werden, während Juden, wenn sie überhaupt angestellt werden, offenbar nach einer dritten Liste viel langsamer avancieren. Daß dies nicht etwa auf angeblich mangelnde Fähigkeit, an leitender Stelle organisatorisch tätig zu sein, zurückzusühren sei, werde schlagend durch den Hinweis auf die zahlreichen ersten Stellen widerlegt, an denen Juden in der Großindustrie, Aktiengesellschaften. Banken usw. wirken, ferner durch die zahlreichen Beförderungen getaufter Juden. Gegen die mit der Verfassung in unlöslichem Widerspruch stehende Behandlung der Juden in der Justiz, der Heeresverwaltung und auf anderen Gebieten müsse immer wieder Protest erhoben werden. Der Vortragende geißelte in scharfen Worten jene Treulosen, die aus äußeren Beweggründen unser Lager verlassen, oder die ihre Kinder taufen lassen, die dann uns in den Rücken fallen und erheblich schädigen. Der Redner beklagte sich auch darüber, daß die an hervorragenden Stellen wirkenden Juden leider selbst häufig ihrer Glaubensgenossen vergäßen. Er hob ferner hervor, daß wir unsere Kinder nicht nur den wenigen akademischen Berufen, zu denen der Zutritt freisteht, sondern auch anderen Bernsen,